Mein Jakobsweg Tag #81

20 Betten für mich allein. Das nenn‘ ich Luxus. Super geschlafen hab ich schon mal und bin ziemlich gut drauf. Das hält genau für 5 Minuten. Denn in diesen Minuten, von der Herberge durch die Stadt, laufe ich an ungefähr 50 Pilgern vorbei, die hier ihren Weg beginnen. Die wirklich nur hier sind, um die letzten 100 Kilometer zu gehen. Das heißt, das Rennen um die Betten wird jetzt noch interessanter. Naja, langsam bin ich zum Glück ja nicht. Nach den ersten paar Kilometern geh ich schon vorne weg und sogar, trotz gemütlicher Frühstückspause, sind etwa 80% der anderen Pilger hinter mir. Also, alles cool. Ist jetzt auch nicht wirklich in meinem Sinne, mir um die anderen Gedanken zu machen. Da meine geplanten Tages-Strecken jetzt etwas kürzer sind, ist die Anspannung auch nur halb so groß wie sonst. Aber, dass ich heute keine 2 Minuten für mich alleine auf dem Weg finde, ist schon sehr frustrierend, muss ich ganz ehrlich sagen. Heute gibt es wieder einige Abzweigungen, mit verschiedener Weg-Varianten, und ich versuche immer die zu nehmen, wo weniger Leute unterwegs sind. Paar Meter mehr oder weniger – was soll’s.

Teile davon basieren sogar noch auf dem historischen Pilgerweg, der vor ewigen Zeiten schon begangen wurde. Der Weg gibt heute auch nicht viel her. Man läuft über Straßen von Dorf zu Dorf und das, wie gesagt, fast im Gänsemarsch. Furchtbar. Die Freude auf das Ende wird immer größer. Vor allem dann, wenn ich in meiner heutigen Unterkunft ankomme, die Dame dort frage, ob sie denn eine Decke für mich hat, da ich meinen Rucksack gerne vor der Türe lassen würde, wegen der möglichen Bettwanzen und sie mich dann – dank meiner Ehrlichkeit – einfach aus der Herberge wirft. Das, obwohl ich heute ihr einziger Gast bin. Weiß nicht, ob ich da drüber jetzt lachen oder weinen soll. Mit kochendem Blut packe ich meine Sachen und mach mich wieder auf den Weg ins nächste Dorf. Da ist es aber so furchtbar, dass ich direkt zum nächsten weiter gehe. Das war’s mit der für heute geplanten Kurz-Strecke. Tja, etliche Kilometer weiter bekomme ich sogar ein Bett. Nur jetzt ist die restliche Strecke schon so „kurz“, dass es sich für mich einfach nicht mehr lohnt, diese auf 3 Tage aufzuteilen. Das heißt, das aus den 4 übrigen Tagen von gestern, jetzt 2 geworden sind. 2 Tage noch. Ich glaub’s fast nicht.

Tagesübersicht:

Weg: Sarria – Portomarin – Ventas de Naron

Strecke: 36 km

Schritte: 44.800

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: