Mein Jakobsweg Tag #78

Die letzte Woche ist angebrochen. Zum ersten Mal bin ich der Erste, der das Zimmer verlässt. Nach zirka 10 Minuten außerhalb der Stadt, wird mir auch bewusst, warum. Es ist stockfinster, eiskalt und um das Ganze noch abzurunden, dichter Nebel. So lauf ich halt am Waldrand entlang, seh zirka 3 Meter weit und versuch angestrengt, nicht von einem Bären gefressen zu werden. Ich muss zugeben, in der Zeit gehen mir diverse Horrorszenarien durch den Kopf, die mich dermaßen mit Adrenalin vollpumpen, dass ich kein bisschen Schmerz spüre. Die ersten 10 Kilometer sind ein Kinderspiel.

Die Sonne geht auf und offenbart mir ein Wahnsinns-Panorama. Weit und breit keine Menschenseele.

Einfach wundervoll. Der Weg heute verläuft über Stock und Stein, was mich mehr als glücklich macht, nach diesem eintönigen geradeaus laufen. Da vermiss ich schon fast die Berge in Österreich. Aber die anderen Pilger wirken allerdings sehr überrascht von dem Gelände. Mit zitternden Knie arbeitet sich einer nach dem anderen, Schritt für Schritt die Wege hinunter. Außer mir. Der Ausdruck „Harakiri-Trailrunning-Modus“ trifft meinen Gehstil in dem Moment wohl am besten. Unten bin ich. Passiert ist auch nix.

Auch die Dörfer schauen zur Abwechslung mal nicht alle gleich aus. Sieht mal wieder nach einem guten Tag aus. Nur die übliche Erschöpfung durch die Anstrengung macht sich ab Mittag bemerkbar. Kein großes Ding. Noch ein kleines Päuschen in einer sogenannten „Pilgeroase“.

So leicht sind mir 40 Kilometer noch nie vorgekommen. Aber es wär ja nicht meine Reise, wenn ich es nicht irgendwie schaffen würde, mir noch den Tag zu vermiesen. Im Hostel gibt es keine Möglichkeit, seine Kleidung per Hand zu waschen. Naja, dann gönn ich mir halt eine, wie ich finde, sehr überteuerte Wäsche. Waschen und trocknen für 6,- €. Na gut. Waschmittel gibt’s gratis dazu, die Waschaschine bedienen ist ja auch kein Problem. Was kann man dann noch falsch machen? Ja richtig. Einfach mal die Kopfhörer mitwaschen. Gute Idee, Kai. Toll gemacht. Das vermiest mir zumindest schon mal den Nachmittag. Meine Hoffnung liegt dann aber auf dem Trockner. Wenn die Elektronik ganz trocken ist, bevor ich wieder Strom durchlaufen lasse, könnte der Kopfhörer ja vielleicht nichts abbekommen, wär jetzt mal meine Theorie. Tatsächlich – nach dem Trockengang funktionieren beide Kopfhörer einwandfrei. Es bleibt doch ein guter Tag.

Tagesübersicht:

Weg: Foncebadón – Ponferrada – Cacabelos

Strecke: 42,5 km

Schritte: 54.760

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