Mein Jakobsweg Tag #73

Ich muss zugeben, das war eine der ruhigsten Nächte meiner Reise. Kein Geschnarche und kein Lärm in der Früh. Nur ausgeschlafen bin ich irgendwie auch nicht, der Tag gestern war dann doch etwas heftig. Naja, hilft nichts. Rein in die Schuhe und los geht’s. Heute kann ich wenigstens den Sternenhimmel noch ein wenig bewundern. Auch der Sonnenaufgang ist mal wieder ein farbenfrohes Spektakel.

Obwohl ich heute weder ein Bett reserviert habe, noch eine kurze Strecke vor mir habe, versuche ich, den Tag so entspannt wie möglich anzugehen. Erstmal ein köstliches Frühstück, wo mir die Hühner, die dort im Garten unterwegs sind, um an das Brot auf meinem Teller zu kommen, wortwörtlich das Bein hochklettern. Ein paar Brösel kann ich gerade noch entbehren.

Der Weg heute führt auf einem eigens angelegten Weg parallel zur Straße immer geradeaus, durch ein kleines Dörfchen nach dem anderen. Also echt eintönig. Wär ja halb so schlimm, wenn der Wind, dem man auf den weiten Ebenen schutzlos ausgeliefert ist, nicht direkt von der Seite kommen würde. Das dazu auch noch richtig heftig. Der Rucksack bietet natürlich die perfekte Angriffsfläche und ich bin eigentlich den ganzen Tag unfreiwillig am Tanzen. Echt mies. Zumindest in den Dörfern kann ich mich dann immer ein wenig von dieser Tortur ausruhen. Doch der absolut schlimmste Teil meiner Reise liegt noch vor mir. Ganz genau 17,3 Kilometer in einer geraden Linie laufen und das über einen Schotterweg mit ringsherum nichts als Feldern, keiner Möglichkeit mein Wasser nachzufüllen und starker Schlagseite durch den Wind.

Alle Leute, die ich auf dieser Strecke überhole, sehen, ähnlich wie ich, komplett erschöpft aus. Einer nach dem anderen wird langsamer und viele sitzen bereits am Wegesrand und suchen nach der nötigen Motivation, den Rest des Weges durchzuziehen. Meine einzige Motivation, mich verbissen selber den Weg entlang zu peitschen, ist die Ungewissheit, ob ich denn heute Abend ein Bett bekomme oder nicht. Da so ziemlich alle anderen irgendwo auf der Strecke verendet sind, bin ich sogar einer der Ersten in der Herberge – und das weit nach 14. 00 Uhr. Was soll ich sagen, mehr als schlafen gehen spielt’s bei mir heut nicht mehr. Bis morgen.

Tagesübersicht:

Weg: Fromista – Carrion de los Condes – Calzadilla de la Cueza

Strecke: 35,9 km

Schritte: 45.560

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