Mein Jakobsweg Tag #70

70 Tage. 10 Wochen lauf ich jetzt schon quer durch Europa. Wahnsinn. Da die letzten Tage mich körperlich ziemlich mitgenommen haben, werde ich es heut ein wenig ruhiger angehen lassen und nur einen halben Tag einlegen. Also keinen Stress in der Früh. Ich packe meinen Rucksack und geh‘ einfach ganz entspannt in den Tag hinein. Heute ist wieder einer dieser Tage, wo es einfach wie von selbst geht. Da ich überhaupt keinen Zeitdruck habe, gibt’s erstmal ein gemütliches Frühstück. Komplett geistesabwesend lasse ich beim Weitergehen direkt meine Wanderstöcke vor dem Café stehen. Hätte nach den ersten 100 Metern nicht eine Schotterstraße begonnen, hätte ich sie vermutlich längere Zeit nicht mal vermisst. Tja. Die Kilometer fallen nacheinander, der Weg läuft durch den Wald, also gibt’s kaum was zu sehen – perfekt um Kilometer zu machen.

Um 10.40 Uhr stehe ich in dem Dorf, wo ich heute übernachten möchte. Mhm, was soll ich denn machen, wenn die Herbege erst um 14.00 Uhr aufsperrt und es in dem 10-Häuser-Dorf nichts gibt. Nein, verdammt, das ist mir zu blöd. Hier bleib ich nicht. Pfeif auf den Ruhetag. Ich mach mich einfach wieder auf den Weg und steuere direkt auf die nächste Großstadt zu, Burgos.

Der verschwommene Fleck da am Horizont ist übrigens Burgos. Also, eh nur mehr 14 Kilometer, easy. Anfangs echt nett so durch die kleinen Ortschaften zu laufen. Doch dann beginnt die schlimmste Strecke meiner bisherigen Reise. Erst läuft man einmal um das Gelände des Flughafens am Zaun entlang und, wie sollte es anders sein, direkt auf der Straße. Das dauert schon mal ne Stunde. Endlich ist man von dem scheußlichen Zaun weg und biegt auf die Straße ab, die auf direktem Wege ins Stadtzentrum führt. 8 Kilometer. Auf Beton. Durch ein Industriegebiet. Verdammte Sch*****. Nicht nur, dass die Fußsohlen quasi schon zum Glühen beginnen, auch alle restlichen Gelenke in den Beinen sind am Ende. Mit Ach und Krach schaffe ich es bis in die Herberge, nach einem kleinen Zwischenstopp bei McDonald’s, worauf ich echt nicht stolz bin, aber ohne ging’s nicht. Meine Bett-Nachbarin heute ist Katharina, ein nettes Mädel aus Slowenien. Nach einem kurzen Kennenlern-Gespräch gibt’s dann noch ein gemeinsames Abendessen und eine Erkundungstour durch Burgos.

Für mehr als die Kathedrale und ein Gläschen Sangria hat die Kraft in den Beinen heut nicht mehr gereicht. Jetzt heißt’s nur mehr ab ins Bett und morgen hol ich meinen Ruhetag nach.

Tagesübersicht:

Weg: Villafranca Montes de Oca – Atapuerca – Burgos

Strecke: 38,1 km

Schritte: 52.130

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