Mein Jakobsweg Tag #65

Pamplona, was für eine Stadt. Die farbigen Häuser der Altstadt im Zusammenspiel mit der Kathedrale und der Aufbruchstimmung der Pilger am frühen Morgen machen es zu einem ganz besonderen Erlebnis für mich.

Abgelenkt von den Häusern steh‘ ich schon vor der ersten Aufgabe des heutigen Tages. „Finde den Weg aus der Stadt“. Damit steh‘ ich auch nicht allein da. Aus jeder Gasse strömen die Pilger und so ziemlich alle sehen gleichermaßen planlos aus wie ich. Doch die Einwohner dürften das schon gewohnt sein und helfen mir sogar ohne Fragen, den richtigen Weg zu finden. Hat zwar einige Zeit gedauert, aber draußen aus der Stadt wär ich mal. Jetzt fühlt sich das Gehen ein bisschen wie eine Völkerwanderung an, da man aus der Menge kaum hinauskommt. Richtige Menschenmassen marschieren auf endlos scheinenden Feldwegen immer der Muschel nach.

Ich versuche natürlich, so wenige Menschen wie möglich auf meine Bilder zu bekommen. Tja. Ist nicht machbar. Die Masse dünnt sich erst aus, wenn der heutige Anstieg beginnt. He He. Heimvorteil. Trotz lahmem Bein ziehe ich den Berg hinauf, als wär ich mit Allrad unterwegs. Am „Gipfel“ bekomme ich die Belohnung dafür.

Was für ein Anblick. Die letzte Erhebung auf dem Weg und man sieht, wie sich das Land vor einem ausbreitet. Das Gefühl ist echt schwer in Worte zu fassen. Die musikalische Untermalung in den Ohren rundet die ganze Erfahrung erst richtig ab. Von nun an gibt’s nur mehr den Weg von Kirche zu Kirche, Dörfchen zu Dörfchen und dazwischen das pure Nichts. Der Weg führt durch Weingärten und Olivenhaine und jeder einzelne Mensch, dem ich begegne, begrüßt mich sehr freundlich. Das gibt einem einfach das Gefühl, hier willkommen zu sein. Echt schön. „Buen Camino“ ich hab echt nicht mitgezählt, aber den Ausspruch höre ich heute knapp 100 mal. Da kann er ja nur gut werden, mein Jakobsweg. Das Einzige, was zum Problem werden könnte, ist die Hitze. In der Mittagshitze kämpfe ich mich auf sandigen Wegen, der Sonne schutzlos ausgeliefert, von einem Trinkbrunnen zum nächsten. Man sieht immer wieder ein kleines Dorf am Horizont auftauchen, aber, trotz ewiger Wanderung, scheint es dann einfach nicht näher zu kommen.

Das macht die Reise dann mal wieder zu einem Mindgame für mich. Aber dafür ist die Freude umso größer, wenn man in der Herbege ankommt. Mal sehen wie’s weitergeht.

Tagesübersicht:

Weg: Pamplona – Obanos – Cirauqui

Strecke: 31,6 km

Schritte: 41.410

2 Kommentare zu „Mein Jakobsweg Tag #65

Gib deinen ab

  1. Hallo Kai
    Von St-Jean-Pied-de-Port, wo wir am Sonntag waren, sind wir nun in 3 Tagesetappen nach Irún gepilgert und heute in Spanien angekommen! Die Beschilderung des Weges war etwas mager, aber mit verschiedenen Hilfsmitteln hat die Querfeldein- Wanderung doch erstaunlich gut geklappt. An diesen 3 Tagen war Akira (der japanische Arzt) uns ein treuer Begleiter, da er ja ebenfalls auf den Camino del Norte wechselte. Eine sehr bereichernde Begegnung! Nun schauen wir morgen, wie die Atlantikküste uns empfängt.
    Herzliche Grüße und weiterhin Buen Camino
    Daniel + Brigit

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: