Mein Jakobswegs Tag #64

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber trotz des, kann man schon fast sagen, Alkoholexzesses gestern beim Abendessen geht’s mit heute ziemlich gut. Naja, abgesehen von den krassen Schmerzen in meinem Bein. Vielleicht liegt’s an der guten Stimmung, die das ganze Land um mich herum ausstrahlt. Heute verlasse ich mich das erste Mal auf mein Glück, was die Unterkunftssuche betrifft. Nicht reservieren, nicht nachsehen, wo man übernachten könnte, einfach nur wandern und aufs Beste hoffen. Der Weg führt mich erstmal durch den Wald, wo ich über den Morgen verteilt nur auf ein paar wenige Pilger treffe, da jeder andere der in meiner Unterkunft übernachtet hat, vermutlich immer noch auf das Frühstück wartet. Immer wieder kommt man aus dem Wald auf Lichtungen, wo man das gesamte Ausmaß des Waldes erst zu sehen bekommt.

Da denk ich mir, dass es hier Bären und Wölfe gibt, glaub ich sofort. Echt wunderschön hier. In dem Moment als ich in Zubiri ankomme, könnte ich nicht glücklicher über die Entscheidung sein, dass ich mich gegen das Frühstück entschieden habe. Mit einem Kaffee, einer Schinken-Käse-Tortilla und einer Nougattasche mit Schokostreuseln kommt man doch sehr gut über den Vormittag. Das Beste daran, nicht mal 5,- € kostet alles zusammen. Jetzt bin ich definitv am richtigen Weg. Weiter geht’s über offene Flächen, die Sonne scheint und es geht leichter Wind, der die Temperaturen einfach nur perfekt für so eine Wanderung abstimmt.

Überall sieht man an den Häusern Graffiti, was einen daran erinnert, dass man jetzt tatsächlich in Spanien ist.

Ich glaubs auch noch nicht so ganz. Zwischen den einzelnen Dörfern läuft man einerseits durch die pure Natur, auf der anderen Seite entlang von Schnellstraßen. Wenn es für mich nichts zu sehen gibt, versuche ich, mich so gut wie möglich auf meinen Gang zu konzentrieren, um meinen Fuß nicht noch mehr zu reizen. Es funktioniert. Weit weg von gut oder schmerzfrei, aber es funktioniert. Auf den letzten Kilometern vor meinem Etappenziel rotten sich immer mehr Pilger zu richtigen Wandergruppen zusammen, was mich in dem Moment ein wenig um meinen heutigen Schlafplatz bangen lässt. Einzige Möglichkeit, einen Gang höher zu schalten und so viele wie möglich hinter mir lassen. Verbissen geht’s den Berg hinunter in den Vorort von Pamplona, noch einmal quer durch die Stadt und tada. Ich bin da. Da zück ich schnell meinen Reiseführer und suche die nächstbeste Unterkunft. Als ich dort ankommen, ist keine Schlange davor, quasi kein andere dort zu sehen. Nachdem mich die nette Angestellte dort in den Schlafsaal führt, wird mir bewusst, dass ich definitiv nicht der Einzige hier bin. Nein. 100 andere Leute übernachten heute auch hier. Yuhu. Wird sicher eine ruhige Nacht.

Tagesübersicht:

Weg: Espinal – Zubiri – Pamplona

Strecke: 36,1 km

Schritte: 48.880

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