Mein Jakobsweg Tag #60

Ich bin heute der Erste, der die Unterkunft verlässt und sich in die Dunkelheit hinauswagt. Schon ein wenig gefährlich, da die Strecke die ersten Kilometer, so wie sie gestern geendet hat, auf der Straße beginnt und ich, abgesehen von meiner Stirnlampe, eigentlich nicht zu sehen bin. Das heißt, jeder der sich von hinten nähert, hat eine gute Chance, mich über den Haufen zu fahren und jeder, der mir entgegenfährt hat eine genauso gute Chance, beim Blick in den Lichtstrahl meiner Lampe, zu erblinden. Kurz gesagt, für irgendwen geht’s beschissen aus. Glücklicherweise schaff‘ ich es, ohne in einen Unfall verwickelt zu sein, bis zur Morgendämmerung. Die erste Begegnung des heutigen Tages ist ein kleiner goldener Welpe der mir, mitten auf einer Bergstraße, wild wedelnd entegegenläuft. Nach der freudigen Begrüßung tauchen auch die Mutter des kleinen und zwei seiner Freunde auf.

Was für eine süße Rasselbande. Die vier begleiten mich die nächsten 10 Minuten und nehmen mich quasi in ihrer Mitte auf. Als sie dann auf ein Privatgrundstück abbiegen, um aus einem kleinen Planschbecken zu trinken und bemerken, dass ich nicht hinter ihnen bin, werde ich mit verwunderten Blicken angeschaut. Weiter werden sie mich nicht begleiten. Schade. Ich glaub‘, die Gastwirtin in der Gite wär eh nicht allzu glücklich darüber, wenn ich mit den Vieren dort auftauchen würde. Also erstmal durch die Stadt und Verpflegung für heute besorgen. Navarrenx, sieht aus wie ein Ort direkt aus einem Ritterfilm.

Alte Stadtmauer, Befestigungstürme und ein Graben drumherum. Echt interessant. Danach geht’s wieder brav den Schildern nach, bis die Hitze einsetzt und ich mir mal eine Pause gönne. Darauf folgt auch gleich, freudige Begegnung Nummer 2.

Entweder hat meine Ausstrahlung irgendwas, was Hunde magisch anzieht oder ich riech selber schon wie einer, aber irgendwie kann ich mit Hunden scheinbar ziemlich gut. Zumindest besser als mit den Menschen hier. Auf den letzten Kilometern kann ich nochmal so richtig die Landschaft und das Wetter ausnutzen und genießen, bis ich in der Gite eintreffe.

Die erfreulichste Nachricht des heutigen Tages ist, Countdown verbleibende Tage in Frankreich: 2 (Yay!)

Tagesübersicht:

Weg: Sauvelade – Navarrenx – Aroue

Strecke: 29,8 km

Schritte: 41.740

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: