Mein Jakobsweg Tag #59

Der Herbst kommt. 6.45 Uhr, ich mach mich auf den Weg – und es ist stockfinster.

Die erste halbe Stunde muss ich tatsächlich das erste Mal meine Stirnlampe auspacken, um nicht an einer, der teilweise echt schlecht sichtbaren, Markierungen vorbeizulaufen. Ganz schön gruselig, so im Finsteren über Maisfelder zu laufen. Wird definitiv nicht zum Hobby werden. So schnell hab ich die ersten 5 Kilometer tatsächlich noch nie zurückgelegt. Da gibt’s zur Belohnung erstmal ein kleines Frühstück, Croissant und Pain au chocolate. Definitv das Frühstück für Champions. Dann geht’s wieder zurück auf die Straße. Eine Dame sagt mir, dass der Weg jetzt die nächsten Tage ausschließlich über asphaltierte Straßen führt.

Na toll. Meine Fußsohlen werden sich freuen. Das Nächste, was mich verwundert, ist, dass ich im Laufe des Tages nie auf Pilger treffe, aber Abends die Herbergen trotzdem immer voll sind. Busfahren zählt aber nicht als Pilgern liebe Leute. Die einzige kurze Begegnung, die ich heute habe, ist mit einem zotteligen Streuner, der mir mit gesenktem Kopf und eingezogenem Schwanz mitten auf der Straße entgegentrottet. Obwohl ich mich hinknie und versuche, ihm gut zuzureden, ist er zu ängstlich, um sich mir zu nähern. Armer kleiner Kerl. Ich sehe ihm noch zu, wie er hinter mir im Gebüsch verschwindet, da bemerke ich, dass ich direkt neben einem 10-Euro-Schein knie. Das war ein Zeichen, am liebsten wäre ich ihm nachgelaufen und hätte ihn mitgenommen. Schade. Naja, aber wenigstens ich kann mir heute darum was zu essen kaufen. Im nächsten Ort steht eine riesige Villa zum Verkauf.

Ob 10,- Euro wohl als Anzahlung reichen? Leider nicht. Gibt’s halt Spaghetti stattdessen. Heute bekomme ich landschaftlich auch ein wenig Abwechslung von den Feldern, da es wieder ein weniger hügeliger wird und mich die Weiden und Bergstraßen wirklich sehr stark an Salzburg erinnern. Enge Bergstraßen, links und rechts nichts außer Weiden und es geht immer bergauf. Aaah, kriegt man schon fast Heimweh. Aber eben nur fast. Aber auch das Bergab-Gehen auf Asphalt ist nicht unbedingt das, was ich mir wünschen würde. Mittlerweile weiß ich schon gar nicht mehr, welcher Untergrund mir am liebsten wär. Wieder am Fuße des Hügels angekommen, bin ich auch schon an meinem heutigen Ziel, Sauvelade.

Geschätzte Einwohnerzahl: 10. Keine Möglichkeit einzukaufen und das einzige Restaurant hat geschlossen. Ganz mein Glück. Die Betreiber der Gite helfen mir mal wieder aus der Patsche und versorgen mich mit Pasta und Sugo für heute Abend und noch einer Kleinigkeit fürs morgige Frühstück. Na bitte, alles in allem, ein guter Tag.

Tagesübersicht:

Weg: Uzan – Maslacq – Sauvelade

Strecke: 29,5 km

Schritte: 40.220

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