Mein Jakobsweg Tag #57

Na gut, ganz alleine, in der Morgendämmerung, in den Wald laufen und das auch noch bei dichtem Nebel, ist nicht unbedingt das, was ich heute machen will, aber was bleibt mir übrig.

Ganz besonders, weil ich kein Frühstück bekommen hab und, da auch mein Abendessen gestern nicht wirklich üppig war, treibt mich der Hunger ziemlich an. Das Einzige, was mir ein wenig Sorgen bereitet nach der gestrigen Begegnung mit der Wildschweinfamilie ist, dass ich sie heute nicht kommen sehen würde. Naja, dann hör ich lieber Musik, dann hör ich sie auch nicht kommen. Zum Glück ist das Waldstück nicht allzu lang, und ich komme unbeschadet im nächsten Dorf an. Nur, da Montag ist, hat hier nichts geöffnet. Die Futtersuche geht also weiter. Lediglich ein paar wilde Brombeeren und der eine oder andere Maiskolben fallen mir vor die Füße. Nicht wirklich das erhoffte Frühstück, wenn ich ehrlich bin. Doch endlich, nach zirka 3 Stunden Marsch, finde ich eine kleine Fleischerei, die wirklich geöffnet hat. Kaum zu glauben. Eine Packung Streichwurst, Gouda und ein ganzes Baguette später bin auch ich endlich bereit für den heutigen Tag. Das hat sich die Sonne wohl auch gedacht, weil, mal wieder rechtzeitig zur Mittagszeit, ist sie wieder voll da. Da gibt’s kein Entkommen und mir bleibt nichts über, als weiterhin der Muschel zu folgen.

Auch, wenn in der Mittagshitze, in der prallen Sonne, über endlose Feldwege zu gehen, eher einem Selbstmordversuch gleichkommt, gibt’s eben nur diesen einen Weg.

Da ich verständlicherweise auch vollkommen alleine am Weg unterwegs bin, fällt mein lautstarkes Fluchen auch niemandem auf. Komplett kaputt und mehr als sauer schaff ich es bis zur Unterkunft – und das als erster und einziger Pilger heute. Offensichtlich hat kein anderer die letzte Etappe gewagt bzw überstanden. Selber Schuld, die zwei netten alten Damen bekochen mich wie einen VIP-Gast und nach 2,3.. 6 Gläsern Wein wird das Gespräch mit den Zweien auch noch richtig lustig. Mal sehen, wie es mir morgen geht – ha ha. Nach DEM Abendessen wird vermutlich auch das Frühstück ein Hammer.

Tagesübersicht:

Weg: Lelin-Lapujolle – Aire-sur-l’Adour – Miramont-Sensacq

Strecke: 30,5 km

Schritte: 41.360

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