Mein Jakobsweg Tag #56

Naja, toll geschlafen hab‘ ich nicht. Die Stadt, die gestern noch so ausgestorben gewirkt hat, hat bis spät in die Nacht mit Live Musik und lautem Gegröle gefeiert. Und das, wie soll es anders sein, direkt vor meinem Fenster. Als würde das nicht genügen, beginnt der Herr ein Bett neben mir dermaßen zu schnarchen, dass ich mir schon fast Sorgen um seine Gesundheit gemacht hab. Aber nur fast. Kaum geschlafen, aber der Wecker läutet trotzdem und ich mach mich auf den Weg. War sicher ne tolle Feier gestern.

Zumindest des Wetter spielt mir gerade sehr gut in die Karten. Bewölkt und angenehm kühl, aber kein bisschen Regen. Auf den ersten Kilometern treffe ich auf eine Menge Pilger, die ich wie gewöhnlich problemlos hinter mir lasse. Es gibt nix zu sehen, wie gewöhnlich Felder und Wälder. Doch im nächsten Ort fängt etwas meine Aufmerksamkeit.

Was auch immer das ist. In einem kleinen Dorf, wo es wirklich nichts gibt außer ein paar kleinen Geschäften und dann dieses riesen Ding mittendrin. Skurril. Auch die alten Häuser sehen echt interessant aus.

Pünktlich zu Mittag und rechtzeitig zur Mittagshitze verziehen sich alle Wolken und ich kann mal wieder die geballte Kraft der Sonne so richtig auskosten. Wie schön. Dazu noch ewig lange Feldwege.

Jeder rät mir dazu „Sieh das Positive“, aber was soll ich sagen, ich seh’s einfach nicht. Ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll zu suchen. Durch die neuen Einlagen in den Schuhen geht das ganze Spielchen mit den Blasen auf den Zehen wieder von vorne los. Aah. Mit jedem Schritt wird ein Gedanke in meinem Kopf lauter „Braucht man die kleine Zehe unbedingt?“. Die ohnehin schon anstrengende Etappe heute wird zum mentalen Krieg gegen mich selbst. Mit letzter Energie trotte ich auf den Hof der Gite, wo mich der Gastgeber sofort mit einem kalten Getränk in Empfang nimmt. Nachdem ich ihm gesagt habe, wo ich heute gestartet bin, meint er nur „Wow, das sind zirka 36 Kilometer“. Mein Navi sagt zwar 32 Kilometer, aber so fertig wie ich bin, klingt auch seine Aussage ziemlich glaubwürdig. Die letzten Tage in Frankreich stellen mich nochmal so richtig auf die Probe. Mal sehen, was der morgige Tag für mich bereit hält.

Tagesübersicht:

Weg: Eauze – Manciet – Nogaro – Lelin-Lapujolle

Strecke: 32/36 km

Schritte: 44.805

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