Mein Jakobsweg Tag #54

Bei mir läutet heute wieder sehr früh der Wecker, da es für mich die einzige Möglichkeit ist der Hitze irgendwie zu entgehen. Hat auch was Gutes. Die ganze Landschaft mal in der Morgendämmerung zu sehen, hat was.

Wenn ich aus der Stadt draußen bin, führe ich mir erstmal vor Augen, welche Strecke ich heute vor mir habe. Das Ziel: Condom.

Uff. Na gut, los geht’s. Erster Gedanke, der mir durch den Kopf geht, nachdem ich mal wieder auf endlosen Feldern unterwegs bin, „Was machen die bitte mit den ganzen Sonnenblumen?“. Mal ganz ehrlich, ich hab noch nie so viele Sonnenblumen gesehen, ein Feld nach dem anderen und das stundenlang. Ja, zumindest verpasst man bei so einer eintönigen Landschaft kaum was, wenn man in Gedanken versinkt. Ideal. Die einzige Abwechslung von den Sonnenblumen bieten diverse Obsthaine. Wenn man an geschätzt 1.000 Zwetschkenbäumen vorbei kommt, der Wind einem den Geruch in die Nase weht, wird man doch direkt eingeladen, sich die eine oder andere kleine Frucht zu stipizen. Macht man natürlich nicht. Konnte aber einfach nicht wiederstehen. Der erste Zwischenstopp ist La Romieu.

Hier gibt’s erstmal ein kurzes Päuschen, sozusagen meine Frühstückspause um 11.00 Uhr. Ab hier wird’s ungemütlich – die Lufttemperatur steigt auf 32 Grad und auf den letzten 15 Kilometern bin ich der Sonne einfach schutzlos ausgeliefert. Keine Möglichkeit auf Abkühlung oder auch nur ein wenig Schatten. Jetzt heißt’s durchbeißen. Mit meinem Wasserschlauch im Mund, triefend vor Schweiß, pflüge ich durch die Landschaft. Verständlicherweise ist keine Menschenseele weit und breit zu sehen.

Nur ein endlos scheinender Weg vor mir. Verbissen arbeite ich mich Kilometer für Kilometer, Richtung meines Zieles. Endlich die Erlösung, ich steh vor meiner heutigen Unterkunft. Der nette Gastgeber bittet mich sofort in die angenehm kühle Obdach seines Hauses und versorgt mich mit frischem, kalten Wasser. War für ihn sicher auch ein tolles Bild, wenn er die Tür öffnet und auf der anderen Seite ein dreckiger Pilger steht, der vor Schweiß nur so tropft. Richtig toll. Dann geht’s ab in den Schlafraum, der sich im Untergeschoss des Hauses befindet. Darin ist es, im direkten Vergleich zu draußen, eiskalt – ideal zum Schlafen. Das Einzige, was mir den Abend noch mehr versüßt, ist mein selbst zubereitetes 4-Stern-Premium-Abendessen, ein gutes Gläschen Wein und ein Pool. Ich hab mich in ganz Frankreich noch nie so zuhause gefühlt wie heute.

Tagesübersicht:

Weg: Lectoure – La Romieu – Condom

Strecke: 31,5 km

Schritte: 41.100

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