Mein Jakobsweg Tag #52

„Morgenstund‘ hat Gold im Mund“. Wenn man sich im Morgengrauen auf den Weg macht und einfach mal dem Naturschauspiel des Sonnenaufgangs bei der Entfaltung zusieht, kommt man auf ganz eigene Gedanken.

Jede Szenerie des heutigen Morgens ist einfach wunderschön und genau das, was man sich erhofft, wenn man sich quasi mitten in der Nacht aus dem Bett wälzt.

Da ich heute eine längere Etappe vor mir habe, meine Gite schon reserviert ist und ich daher gar keinen Stress habe, nehme ich mir die Zeit und versuche so viel wie möglich davon aufzunehmen. Tja, aber wenn man sich vom Tagträumen zu sehr ablenken lässt, läuft man eben mal an der Abzweigung vorbei und gut einen halben Kilometer in die falsche Richtung. Ohne den netten, älteren Herren, der mir regelrecht den Weg versperrt, wär ich vermutlich noch einige Zeit falsch weitergegangen. Er weist mir die Richtung und kurze Zeit später bin ich auch schon wieder richtig. War auch echt mies beschildert, also wirklich. Aber auch der richtige Weg gibt nicht viel her, Wohnsiedlungen, Landstraßen und Apfelhaine. Da hat’s mir am Morgen wesentlich besser gefallen. Einfach weiter gehen und schon erreiche ich die Stadt, Moissac. Da kauf ich mir erstmal Einlegesohlen für meine Schuhe, denn irgendwie will die Federung nicht so richtig funktionieren. Dazu gibt’s auch gleich mal eine Pause. Ein schattiges Plätzchen am Stadtrand wirkt dazu mehr als perfekt.

Aber zu lang darf’s heut nicht sein, sonst wird die Hitze wohl wieder unerträglich. Raus aus der Stadt geht’s entlang des Flusses, Tarn. Am Radweg. Auf Beton. Wirkt für mich ein wenig wie der Donauradweg 2.0. Echt unerfreulich, nur auf Beton zu laufen, vor allem mit angeschlagenen Fußsohlen. Einziger positiver Unterschied zum Radweg zuhause sind die schattenspendenden Bäume. Nach zirka 10 Kilometern wird aus dem großen Fluß ein kleiner Kanal.

Mit jedem Kilometer wird das Gehen immer unerträglicher. Endlich runter vom Radweg und rüber über den Fluss.

Die letzten 5 Kilometer. Jetzt geht’s zwar über weiche Feldwege, dafür aber in der prallen Sonne. Wie auch sonst. Am Straßenrand finde ich ein wenig Motivation. Mit Edding steht auf einem Stromkasten „Follow the Shells“.

Was für eine Idee, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? Brilliant. Also mach ich das natürlich. Auf den letzten Metern sieht man mir den Schmerz förmlich an. Die Gastgeberin der Gite sagt mir, sie hat die Tage verwechselt und hat eigentlich gestern mit mir gerechnet. Das klingt nicht gut. In diesem Moment hab ich mal kurzfristig überlegt, anzufangen zu weinen. Zum Glück sagt sie aber gleich darauf, dass sie eine Lösung findet. Sie würde mich ja mit einer Dame zusammen in ein Zimmer stecken, aber das kann sie nicht verantworten. Deshalb macht sie kurzerhand ein anderes Zimmer fertig und ich bekomme ein eigenes Zimmer – mit Doppelbett.

Das auch noch zum Preis einer Übernachtung im Gemeinschaftszimmer. He He Jackpot. Nach einer Dusche und einer kurzen Stadterkundung treffe ich die Schweizer in der hauseigenen Bar. Darauf werde ich auch noch auf ein Bier eingeladen. Das schmeckt nach so einem Tag natürlich ausgezeichnet. Ganz einfach der perfekte Abschluss für so einen Tag.

Tagesübersicht:

Weg: Dufort-Lacapelette – Moissac – Malause – Auvillar

Strecke: 35 km

Schritte: 49.025

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