Mein Jakobsweg Tag #48

Morgenstund‘ hat Gold im Mund. Heute mehr als sonst. Im Morgengrauen mach‘ ich mich heute schon auf den Weg, weil meine Zimmergenossen richtige Frühaufsteher sind und mit Licht und Lärm im Raum das Schlafen dann doch ein wenig schwer fällt. Das gibt mir wenigstens die Chance, den Sonnenaufgang zu sehen.Die ganze Stadt schläft noch, doch der einsame Pilger zieht weiter. Der Weg führt mich heut‘ wortwörtlich durchs Nichts. Weit und breit, weder Gebäude, Autos oder andere Menschen. Nur Steine, Sand und Bäume und das für knapp 30 Kilometer. Richtig ermüdend. Den einzigen, den ich heute auf dem Weg treffe, ist Pierre, ein ehemaliger Pilger, der am Wegesrand die vorbeiziehenden Pilger mit Kaffee, Tee, kalten Getränken und Kuchen versorgt. Da ich heute der erste bin und er noch mitten im Aufbau seines Standes ist, spendiert er mir sogar einen Kaffee. Richtig nett.Und nachdem er rausgefunden hat, dass ich aus Österreich komme, spielt er über seine Bluetooth-Soundanlage sogar die österreichische Hymne für mich. Da ich nicht so sein möchte, kaufe ich ihm, natürlich ganz uneigennützig, noch ein kaltes Getränk ab und mach mich auch schon wieder auf den Weg. Die Stunden vergehen, die Umgebung verändert sich so gut wie gar nicht, lediglich die Temperatur steigt im Minutentakt. Der Weg heute führt mich über auf beiden Seiten abgezäunten Wegen, quasi wie auf Schienen über Felder und Wälder, ohne eine Möglichkeit auf Abkühlung.Die einzige Pause, die mir von der heutigen Etappe gegönnt wird, ist die Stadt, Limagnone, wo ich mir im Schatten eines Baumes eine kleine Stärkung genehmigen kann. Aber auch diese Pause muss ich kurz halten, weil die Sonne heute wieder erbarmungslos ist und das gegen Nachmittag sicher nicht besser wird. Also wieder zurück auf meine Schienen und immer weiter. Bei knapp 30 Grad werden die letzten 5 Kilometer heute mal wieder zur Belastungsprobe. Gibt definitiv lustigere Dinge. Abgekämpft und durchgeschwitzt komme ich an der heutigen Gite an, wo bereits eine andere Pilgerin auf Einlass wartet. Und wie zu erwarten war, spricht sie nur französisch. Dann reden wir zwei wohl eher nicht miteinander. Zumindest die Gastgeberin spricht ein wenig englisch und lädt uns freundlicherweise auf eine kleine Abkühlung ein, die ich mehr als dankend annehme. Man weiß es normalerweise nicht wirklich zu schätzen, aber so eine kalte Dusche nach einem heißen Tag ist das absolute Highlight meines Tages. Dann noch ein bequemes Bett und mehr braucht es auch gar nicht. Echt top.

Tagesübersicht:

Weg: Cajarc – Limogne-en-Quercy – Varaire – Bach

Strecke: 27,5 km

Schritte: 38.500

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