Mein Jakobsweg Tag #46

Wenn man, dem guten Vorsatz folgend, früh schlafen geht und dann seine Wäsche über Nacht im Regen hängen lässt… Jawohl. Das Wetter ist heute, zum Glück, seit längeren Zeit, mal wieder gegen mich. Der Nieselregen kühlt nicht genug, um eine Jacke zu rechtfertigen, aber ist heftig genug, sodass man ohne Jacke auf längere Zeit bestimmt durchnässt ist. Also den Rucksack und mich selber vernünftig einpacken und einfach gehen. Bei dem Wetter treffe ich verständlicherweise kaum Leute. Der Weg hier führt mich unnötigerweise im Zick-zack um jeden Ort herum, was die Strecke natürlich auch beträchtlich verlängert. Das kann einen Pilger manchmal schon zu unüberlegten Entscheidungen zwingen.Aber da zwischen den Feldern recht schmale Straßen sind, auf denen die Autos mit ziemlichem Tempo vorbeiziehen, und das scheinbar in der Vergangenheit zu Problemen geführt hat, entscheide ich mich, einfach auf dem Weg zu bleiben und mich still zu ärgern.Den ganzen Vormittag werde ich von einer dichten Nebeldecke verfolgt, die mir jegliches Fotomotiv der heutigen Strecke zunichte macht. Damit bin ich nach einem feucht fröhlichen Vormittag auch schon in Figeac, wo glücklicherweise der Regen endlich mal eine Pause einlegt und mir die Möglichkeit gibt, mir ein wenig den Ort anzusehen. Das einzige Problem, alle Geschäfte legen um 12.00 Uhr eine Mittagspause ein – also schneie ich noch im letzten Moment beim Supermarkt rein, um heute Abend nicht hungern zu müssen. Dann versuche ich über die Touristeninformation irgendwie einen Reiseführer für die nächste Etappe zu organisieren. Wie sollt’s auch anders sein, hat die Buchhandlung ausgerechnet heute erst ab 15.00 Uhr geöffnet. Was macht man in einer Stadt, wo nichts geöffnet hat und es prinzipiell nichts zu tun gibt? Genau, man geht in die Kirche. Das wär das Allerletzte, was ich sonst gemacht hätte, aber da regnet es wenigstens nicht und ruhig ist es auch.Tja, so vergeht die Zeit auch irgendwie. Nur eben sehr, sehr langsam. Endlich! 15.00 Uhr. Ich klebe schon an der Auslagenscheibe, als die Frau die Türe zum Verkaufsraum aufsperrt und frage direkt nach dem Reiseführer und sie sagt auch noch „Ja“. Ich fasse es nicht! Zu früh gefreut. Sie hat zwar genau den Reiseführer, den ich haben will, nur eben auf französisch. Na, auch egal. Her damit, merci. Au revoir. Ich schnalle mir meinen Rucksack wieder auf den Rücken und mach mich an die letzten 5 Kilometer, um endlich ins Bett zu kommen. Die Gite liegt zwischen zwei Ortschaften und ist anfangs schwer zu finden, aber wenn man einmal den kleinen Privatweg gefunden hat, führt er einen direkt in ein kleines Paradies. Ein großer Garten mit einer Sitzecke unter den Bäumen, man hört keinen Mucks, außer das Rascheln der Blätter, und das Bier kostet nur 1 Euro. Wie im Traum. Die Gite ist für 10 Leute ausgelegt und wir sind heute aber nur zu viert, also haben auch alle jede Menge Platz. So kann’s ruhig bleiben.

Tagesübersicht:

Weg: Livinhac-le-haut – Montredon – Figeac – Faycelles

Strecke: 27,4 km

Schritte: 38.410

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