Mein Jakobsweg Tag #43

Die 1.000-Kilometer-Marke fällt. Seit ich, vor 6 Wochen, los marschiert bin, habe ich in bis jetzt 4 verschiedenen Ländern insgesamt 1.000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. War eigentlich halb so wild. *ha ha* Meine Knie und Füße sehen das natürlich ein wenig anders. Aber jetzt gibt es einfach kein Zurück mehr, mich hält nichts mehr auf! Mit dieser Gewissheit im Hinterkopf starte ich in die heutige Etappe. Nach einem kurzen Stopp beim Supermarkt, dem einzigen, der hier an einem Montag geöffnet hat, geht’s auch schon raus aus der Stadt. Erstmal entlang einer Landstraße, da durch die ganzen Privatgründe hier keine Wanderwege möglich sind. Da kommen wir auch schon beim ersten erwähnenswerten Halt an. An der Kirche, Saint-Pierre-de-Bessuejouls.

Dort werden wir von einer Gruppe regelrecht überfallen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, einerseits den Pilgern mit Wasser auszuhelfen, andererseits sie über die bereits im 12. Jahrhundert erbaute Kirche zu informieren. Normalerweise bin ich ja eigentlich nicht so der Kirchenfan, aber so, wie der junger Herr uns das Gebäude zeigt und die Geschichte dahinter erzählt, ist es doch sehr interessant. Muss ich ehrlich zugeben. Aber da wir eh schon ziemlich spät dran sind, müssen wir unmittelbar nach dem Ende unserer Führung auch schon weiter. Die nächsten Stunden marschieren wir wie auf Autopilot, keiner von uns spricht ein Wort und jeder ist mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt und geht für sich. Der Weg führt durch ein kleines Dorf nach dem anderen, eines idyllischer als das vorherige.

Aber, obwohl die Ruhe in den kleinen Dörfern echt die pure Entspannung mit sich bringt, bin ich von der nächsten Stadt umso mehr beeindruckt. Von der kurvigen Straße, wo auf der einen Seite ein steiler Felshang nach oben und auf der anderen Seite ein steiler Hang hinunter in den Fluss geht, baut sich auf einmal ein riesiges Schloss vor einem auf.

Das ist Estaing. Ein wunderschöner, mittelalterlicher Ort, überfüllt mit Touristen. Mehr als eine kurze Pause möchte ich mir in dem ganzen Trubel eigentlich nicht antun. Also hinsetzen, Füße kurz ausrasten, ein kleine Stärkung, fest durchatmen und weiter geht’s. Denn das, mit riesengroßem Abstand, schlimmste Stück liegt heute noch vor uns. Knapp 350 Höhenmeter auf nur 4 Kilometern Weg. „Lasst die Oberschenkel brennen“ ist die Devise. Schweißgebadet und mehr als fertig kommen wir oben an. Jetzt nur noch die letzten 5 Kilometer irgendwie herunterbiegen und Voilà. Da ist sie, unsere heutige Gite d’Etape. Natürlich ist dann an dem Punkt immer noch genug Energie vorhanden, um einen dämlichen Witz zu reißen, wie „War echt halb so schlimm, gehen wir weiter?“. Sophie ist wohl nicht zum Lachen zumute. Vielleicht morgen.

Tagesübersicht:

Weg: Espalion – Estaing – Massip

Strecke: 23,8

Schritte: 33.360

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