Mein Jakobsweg Tag #41

Wenigstens auf mein Bauchgefühl kann ich mich verlassen. Die Nacht nicht im Zelt zu verbringen, war eine goldrichtige Entscheidung, denn um zirka Mitternacht bricht die Hölle über uns herein. Auf den Schotterstraßen des Campingplatzes steht 10 Zentimeter hoch das Wasser, Menschen laufen aus ihren Zelten Richtung der Kloanlagen, um Schutz zu suchen. Ich liege kuschelig in meinem Schlafsack eingerollt im Trockenen und beobachte das Schauspiel. Glück gehabt. Doch Schlaf bekomme ich trotzdem kaum, da der Lärm des Unwetters und der harte Fliesenboden nicht unbedingt eine gute Grundlage dafür bieten. Nichts, was eine heiße Tasse Tee am Morgen nicht richten kann. Natürlich, kompletter Schwachsinn, als würde das warme Blätterwasser irgendwas bewirken. Also machen wir uns zwar trocken, aber trotzdem hundemüde auf den Weg. Nach einigen gescheiterten Versuchen, eine Unterkunft im heutigen Etappenzielort zu bekommen, kann ich auch „frustriert“ noch in mein Emotionenkarussel aufnehmen. Die einzige Ablenkung sind die netten, deutschen Weggefährten Thomas, Doro und Ursula, die schon die verregnete Nacht mit uns in unserem Notlager verbracht haben. Wir holen sie mittags am Weg ein und beschließen, die restliche Etappe zusammen zu gehen. Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. Neben netten Gesprächen sind die außergewöhnliche Hochebene von Aubrac und das wunderschöne Wetter die perfekte Mischung für einen tollen Tag.

Doch als wir an ihrem heutigen Nachtlager ankommen, kommt der unerhoffte Abschied. Da wir erst im 20 Kilometer entfernten, St Chely d’Aubrac, ein Bett reservieren konnten und Camping definitiv keine Option mehr ist, werden wir den dreien eher nicht mehr begegnen. Echt schade. Also machen wir uns auf in den nächsten Ort Nasbinals, wo wir uns erstmal für die nächsten Mahlzeiten mit Essen eindecken.

Dann heißt es, dem heutigen Tagesmotto so gut wie möglich gerecht zu werden: „Trampen statt Campen“. Mit selbstgemaltem Schild laufen wir am Ortsausgang die Straße entlang und versuchen, die Gunst der Autofahrer für uns zu gewinnen. Nach ganzen FÜNF Minuten hält auch schon ein Auto und bietet uns an, uns die nächsten 16 Kilometer bis direkt nach St Chely mitzunehmen. Wahnsinn. Mit einem Gemisch aus Englisch und meinem, in den letzten zwei Wochen angeeigneten, Französisch versuche ich mich so gut wie möglich mit der Fahrerin zu verständigen. Sie zeigt uns die bezaubernde Natur von Aubrac und ist sehr daran interessiert, wo wir herkommen und was unsere Ziele und Erwartungen für den Weg sind. Die gute Dame lässt uns nach einer entspannten Autofahrt direkt vor unserer heutigen Herberge aussteigen und verabschiedet sich herzlich. Die Gite Saint Andre ist ein riesiges Privathaus von Roland und Sylvie, die uns am Eingang begrüßen und in ihrem Heim willkommen heißen. Komplett erledigt, aber fröhlich falle ich ins Bett und freue mich, endlich mal wieder einen guten Tag gehabt zu haben. War auch echt mal wieder Zeit.

Tagesübersicht:

Weg: Aumont-Aubrac – Montgros – Nasbinals – St Chely d’Aubrac

Strecke: 25,1 km

Schritte: 35.130

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