Mein Jakobsweg Tag #40

Der Umstieg vom Zelt auf ein Bett lässt mich mal wieder an der Sinnhaftigkeit dieser Übernachtungs-Option zweifeln. Rückenschmerzen und Müdigkeit sind nach einer Nacht im Zelt ein ständiger Begleiter. Aus dem Grund war ich nach der heutigen Nacht in der Gite, die wir uns mit 17 anderen Leuten geteilt haben, sowas von ausgeschlafen, dass ich mein Bett zuhause niemals wieder als selbstverständlich ansehen werde. Mit einem überdurchschnittlich teuren, aber dafür auch ausgesprochen guten Frühstück lässt es sich dann perfekt in den Tag starten. Nur Sophie kämpft heute noch mit den Schmerzen der Etappe des Vortages. Kommt mir alles ziemlich bekannt vor. Als Allerletzte verlassen wir die Gite d’Etape in Les Faux und machen uns mit der aufgehenden Sonne und bei noch recht humanen Temperaturen auf den Weg. Glücklicherweise sind die Steigungen kaum mit denen des gestrigen Tages zu vergleichen, was die Ausblicke und die Landschaften kein bisschen schöner wirken lässt.

Heute können wir unser Gehtempo auch ein wenig drosseln, da wir früh aus der Herberge gestartet sind. Was natürlich die Anstrengung ein wenig minimiert. Doch einige der heutigen Passagen, die über Stock und Stein führen, habens trotzdem in sich.

Beim ersten Stopp an der Wasserstelle auf der Hochebene von Aubrac treffen wir auf einige unserer Bekannten aus der Herberge.

Das frühe Aufstehen hat auch ihnen nicht geholfen, der heutigen Hitze zu entgehen. Am Trinkbrunnen werden wir von einer älteren Dame angesprochen, was uns denn hierher verschlagen hat und wo wir denn herkommen. Diane, heißt sie und ist den ganzen Weg aus Kanada hierher gereist, um einige Wochen auf dem Camino zu pilgern. Wahnsinn. Auch sie war schon mal einige Jahre zuvor in Santiago und versorgt uns mit einigen nützlichen Tipps für die weitere Reise. Da wir trotz schmerzender Füße und ermüdender Hitze sehr gut vorankommen, ist das heutige Etappenziel, Aumont Aubrac, auch schnell erreicht. Jetzt nur noch fürs Abendessen einkaufen und dann ab zum Campingplatz. Ich hätte mit all meiner Kraft gegen die Nacht im Zelt protestiert, doch jegliche Unterkünfte im Ort waren restlos ausgebucht. Verdammt. Dann erstmal Wäsche waschen, Zelt aufstellen, kochen und wenn’s dann endlich mal anfängt halbwegs gemütlich zu sein, was fehlt einem dann noch? Genau, Regen. Aber nicht nur Regen sondern Gewitterwolken, die eine gewisse Weltuntergangsstimmung ausstrahlen. Ganz ganz toll. In Windeseile Wäsche und Zelt zusammen packen und in den Gemeinschaftsraum flüchten, wo bereits drei andere Pilger Schutz gesucht haben. Im Laufe der nächsten Stunde finden sich noch einige andere in dem Raum ein. Sammellager-Feeling. Mal sehen, wie der Rest der Nacht wird, aber morgen wird’s mal wieder Zeit für einen guten Tag. Mal sehen.

Tagesübersicht:

Weg: Les Faux – Saint-Alban-sur-Limagnole – Aumont-Aubrac

Strecke: 23,3 km

Schritte: 32.520

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