Mein Jakobsweg Tag #39

Der erste Tag im Doppelpack beginnt mit einem eisigen Morgen. Wenn man mit kurzer Hose und Sandalen morgens bei 12 Grad aus dem Zelt steigt, bekommt man mal einen kurzen Schock. Wenn dann zusätzlich der Gaskocher nicht funktioniert und man auf das warme Getränk am Morgen auch noch verzichten muss, vergeht einem die Lust für den Tag schon ein wenig. Man kann sagen, ich habs mit allen Mitteln probiert. Zweifellos.

Jedoch ohne Erfolg. Gibt’s eben Eistee. Nachdem wir unser Nachtlager fertig verpackt haben und alle Erledigungen im Ort hinter uns gebracht haben, kommt auch schon die nächste Hürde auf uns zu. Ein einheitliches Gehtempo finden. Da ich doch schon einige Tage unterwegs bin, drossle ich mein Tempo und versuche, mich so gut wie möglich an Sophie anzupassen. Die hingegen legt, nichtsahnend, ein ordentliches Tempo hin, ohne auf meine Tipps zu hören. Da auf dem Weg regelrecht Menschenmassen unterwegs sind, ist die heutige Etappe ein einziges Überholmanöver. Dazu kommt, dass der Weg heute fast ausschließlich bergauf führt, was dem Körper natürlich auch ziemlich zusetzt. Nach zirka der Hälfte des Weges und den ersten eintretenden Schmerzen bei Sophie, entscheiden wir, eine kurze Pause einzulegen. Wo wir auf einmal von einem Streuner überrascht werden, der sich von hinten aus dem Wald an uns heranschleicht. Die hübsche Hundedame versucht an meine Linsen mit Speck heranzukommen. Der Hundeblick zieht letztendlich doch bei mir und ich teile mein Mittagessen mit ihr. Da beschließt sie, direkt hinter mir auch ein Päuschen einzulegen und lässt sich auch nach vorsichtiger Annäherung streicheln.

So eine Süße. Nach der Pause geht’s weiter und die Erschöpfungserscheinungen, die mir nur allzugut vom Anfang meine Reise im Gedächtnis geblieben sind, machen Sophie schwer zu schaffen. „Komm schon, es ist nicht mehr weit“. Natürlich total gelogen.

Endlich der höchste Punkt der Etappe ist erreicht, jetzt geht’s „nur“ mehr 7 Kilometer geradeaus. Da bleibt auch noch Zeit für eine kleine Pause, um am Wegesrand wilde Himbeeren zu pflücken. Mit schmerzenden Oberschenkeln und zitternden Knien schaffen wir es doch noch in die Herberge, wo wir direkt herzlich empfangen werden. Jetzt erstmal duschen und ein Bier. Das haben wir uns definitiv verdient. Die Herbergen werden immer größer und voller, also teilen wir unser heutiges Nachtlager mit 13 anderen Leuten. Könnte interessant werden. Mal sehen.

Tagesübersicht:

Weg: Saugues – Chanaleilles – Les Faux

Strecke: 26,8 km

Schritte: 37.610

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