Mein Jakobsweg Tag #37

Neuer Tag. Neue Schuhe. Neues Glück. Naja, fast. Jeder, der schon mal gehört hat, man soll seine Schuhe vor längeren Wanderungen immer gut eingehen, sollte sich auch unbedingt daran halten. Mit neuen Schuhen, direkt nach einem Pausentag, eine Art Leistungsmarsch zu machen, gehört definitiv nicht zu den besten Ideen, die ich bis jetzt hatte. Soviel dazu. Das zweite Problem heute war, dass Le Puy der Knotenpunkt einiger Fernwanderwege ist, was dazu führt, dass man, so leicht man auch den Weg hinein findet, kaum mehr den richtigen heraus findet. Das nimmt mehr Zeit meines Morgens in Anspruch, als ich zugeben möchte. Doch endlich am richtigen Weg kommt auch schon die erste Erkenntnis. Einsam bin ich ganz bestimmt nicht mehr. In 100 Meter Abständen marschiert ein Pilger nach dem anderen den Weg entlang. Doch mein eingespieltes Tempo der letzten Wochen ist doch erheblich höher als das der anderen, was alle 5 Minuten zu kritischen Blicken von den überholten Pilgern führt. Was bilde ich mir auch ein, sie einfach zu überholen? Das ist doch kein Wettlauf. So reden Verlierer eben. Es ist natürlich nicht Sinn der Sache, das ist mir sehr wohl bewusst, aber warum nicht schnell gehen, wenn langsam gehen genauso anstrengend ist. Dazu fällt mir heute auf, dass sich die Landschaft aus der Stadt hinaus, im Gegensatz zu den letzten Tagen, definitiv zum positiven verändert.

Es sieht zumindest nicht mehr alles gleich aus. Da die Etappen derzeit noch sehr kurz bemessen sind, bin ich mal wieder um 13.00 Uhr am Etappenziel, St. Privat D’Allier.

Meine Herberge für heute sperrt aber erst um 15.30 Uhr auf. Wie vertreibt man sich die Zeit an einem Ort, wo kein Geschäft geöffnet hat, beziehungsweise wo es gar nichts gibt. Erstmal ein kaltes Bier holen und versuchen, ein wenig Zeit totzuschlagen. Also sitze ich da vor der Bar und sehe zu, wie ein Wanderer nach dem anderen im Ort eintrifft. Ein bunter Haufen von Leuten. Vom komplett in Camouflage gekleideten Möchtegernsoldaten bis hin zum Ökowanderer mit Leinenhosen und Sandalen ist wirklich alles dabei. Endlich in der Herberge.

Da ich noch alleine unterwegs bin, teile ich mein heutiges Zimmer mit drei anderen Herren, die, obwohl sie alle aus Frankreich sind, allesamt englisch sprechen. Was für eine freudige Überraschung. Der eine Herr, welcher mit seinem Neffen für eine Woche auf dem Weg wandert, erzählt mir die Geschichte von St. Jacques, also der Grund, warum die religiösen Leute sich diese Strapazen antun. Eigentlich sehr interessant. Zumindestens wissen die, warum sie hier sind. Ich weiß es zum Beispiel nicht. Als wir beim Abendessen sitzen, ist es das erste Mal seit einem Monat der Fall, dass sich jeder am Tisch in Englisch unterhalten kann. Vor dem Essen wird sogar noch ein Gebet angestimmt. Wenn das kein positives Zeichen für den ersten Tag der Route ist, dann weiß ich auch nicht. Mal sehen, wie’s morgen weitergeht.

Tagesübersicht:

Weg: Le Puy-en-Velay – Montbonnet – St. Privat D’Allier

Strecke: 21,7 km

Schritte: 30.430

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