Mein Jakobsweg Tag #30

Nach der gestrigen Aufregung nach meinem Kochspektakel fällt es mir schwer, Schlaf zu finden, was sich natürlich heute morgen sofort rächt. Nicht mal das Frühstück kann das heute richten. Also mach‘ ich mich, ein wenig geschlaucht, aber doch motiviert, auf die Suche nach der blauen Markierung mit der Muschel. Das dauert ein wenig, da ich orientierungslos quer durch den Ort laufen muss. Da ist sie! Na bitte, wieder auf dem Weg. Doch beim ersten Anstieg heute machen sich seit langem mal wieder meine Knie bermerkbar. Mit Knieschmerzen in den Tag zu starten, kann einfach nicht gut sein. Ein kurzes Auslockern und Stretching schaffen auch nur eine leichte Minderung. Also so wie immer, ignorieren und einfach weiter machen. Den ersten Hügel zu überwinden, ist noch kaum der Rede wert, aber die Aussicht kann sich doch sehen lassen.Doch zu früh freuen darf man sich hier einfach nie. Weil, statt zur Abwechslung einmal eben oder sogar bergab, geht es einfach immer weiter bergauf. Der Reiseführer beschreibt die Etappe als „einfachen Weg mit gleichbleibendem Niveau“. Tja, 500 Höhenmeter find ich alles andere als einfach mit einem Monster-Rucksack auf dem Rücken. Was soll ich noch dazu sagen? Das Wetter ist zumindest schön. Auf meinem Weg nach oben durchquere ich einige kleinere Bergdörfer in Abwechslung mit breiten Feldwegen und unwegsamen, kaum begehbaren Waldwegen.Der heutige Tag zehrt mehr an meinem Körper, als ich gedacht hab‘. Schon um die Mittagszeit beginnen meine Obschenkel dermaßen zu zwicken, dass das Losgehen nach den Stopps, die ich einlege, fast unerträglich ist. Langsam haben auch die letzten Muskeln kapiert, welcher Belastung sie da eigentlich ausgesetzt sind. Aber allen anderen, denen ich auf dem Weg begegne oder besser gesagt, die ich auf dem Weg überhole, scheint es noch schlechter zu gehen. Ohne schadenfroh wirken zu wollen, aber irgendwie gibt mir das Kraft. Endlich! Der höchste Punkt der heutigen Etappe. Ab jetz nur noch bergab. Dabei ist bergab laufen alles andere als angenehm mit schmerzenden Knie, also kaum einen Deut besser als der restliche Tag. Nach einem kurzen Einkauf im örtlichen Supermarkt von Bourg Argental hält mich nichts mehr auf am Weg ins Bett. Aber ich staune nicht schlecht als ich vor der 4-stöckigen Herberge stehe, die, nach ihrem Aussehen zu urteilen, mindestens 100 Jahre alt ist. Im Inneren befindet sich eine prunkvolle Wendeltreppe, die sich vom Erdgeschoss bis in den obersten Stock zieht.So muss wohl der französische Adel früher gelebt haben. Ein kleines Stück Geschichte und ich darf heut darin übernachten. Was für eine Ehre.Tagesübersicht:Weg: Chavanay – Bessey – Saint-Julien-Molin-Molette – Bourg ArgentalStrecke: 24,9 kmSchritte: 34.860

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