Mein Jakobsweg Tag #29

Auch heute fällt mir das Aufstehen echt leicht. Die Sonne scheint und ein kühler Wind weht vor meinem Fenster. Das Frühstück. Oh, das Frühstück. Seit ich vor ziemlich genau einem Monat losgegangen bin, habe ich nicht mehr so ein Frühstück bekommen.

Großes Kompliment an Patricia und Michel aus dem wunderschönen Chambre d’hotes „La ferraz“. Ich hab mich pudelwohl gefühlt und das vom Ankommen bis zum Abschied. Tja, aber Abschied nehmen gehört eben auch dazu, also ziehe ich mit gefülltem Magen wieder meines Weges. Da sich die Unterkunft etwas abseits des Weges befindet, muss ich mich durch das nächste Dorf am nächsten Hügel erst einmal wieder zurück auf den Weg kämpfen. Aber das stellt durch die Hilfsbereitschaft der Einwohner von Le Bourg kaum ein Problem dar. Wieder zurück auf dem Weg geht’s heute, bis auf den kleinen Anstieg am Morgen, ziemlich eben den Weg entlang. Das dazu noch bei bestem Wetter.

Heute hält mich mal wieder nichts auf, meine Knieschmerzen sind kaum zu spüren und ich kann mein Tempo über mehrere Stunden problemlos halten. Bis, wie aus dem Nichts, der Weg plötzlich in einer Sackgasse endet. Nicht nur bin ich bedingungslos der Muschel gefolgt sondern auch mehrere mal umgekehrt, um wirklich sicher zu gehen, dass ich hier richtig bin. Also außen herum und versuchen, den Weg wieder zu finden. Ich glaub’s nicht. Die erwarten ernsthaft von einem, am Rand einer stark befahrenen Schnellstraße entlang zu laufen. Ganz toll. Die Blicke der entgegenkommenden Autofahrer verraten mir, dass sich das eher weniger Leute antun. Wären auf der anderen Seite nicht Bahngleise im Weg hätte ich auch eher die Option gewählt, das Ganze zu umgehen. Aber so ist es jetzt eben. Weiter durch die steppenähnliche Einöde, die ich am Weg zurück zur Rhone noch durchqueren muss. Am Straßenrand wachsen zahlreiche Kakteen. Kakteen! Wo bin ich denn hier gelandet? Da es wirklich nichts Sehenswertes gibt in dem Moment, senke ich meinen Blick und erhöhe mein Tempo, um so schnell wie möglich von hier weg zu kommen. Bis hier hin.

Vor mir breitet sich die Rhone in ihrer ganzen Länge aus und beschert mir den ersten Blick auf den „Regional Naturpark Pilat“. Weinberge so weit das Auge reicht. Dann noch der Wind, beim Überqueren der Brücke muss ich das erste Mal meinen Hut festhalten. Am anderen Ende der Brücke liegt die Stadt Chavanay. Eine wunderschöne alte Stadt mitten im Grünen und da darf ich heute übernachten. In der Gite d’Etape de Chavanay, die 16 Leuten Platz bietet, hol ich mir jetzt ein Bett.

Wie immer bin ich der Erste, der eintrifft. Also freie Bettwahl. Einer Stunde später kommt der Betreiber mit seinem Sohn vorbei, um ein wenig aufzuräumen und einfach nach dem Rechten zu sehen. Da aber Montags alle Einkaufsmöglichkeiten geschlossen sind, ist der Herr so nett, mich zum nächsten Supermarkt mitzunehmen. Ein riesen Supermarkt, der keinen Wunsch offen lässt. Da deck ich mich erstmal mit Essen für die nächsten zwei Tage ein. Was ich nicht ganz bedacht habe, zurück muss ich laufen. Aber die zwei Kilometer mehr oder weniger machen auch nichts mehr aus. „Daheim“ angekommen, mach ich mich sofort ans Kochen. Spaghetti Bolognese mit frischem Rindfleisch – also eine solide Unterlage für die kommenden Tage. Tja, wenn nicht auch der Rauchmelder gegen mich wär. Beim Kochen des Wassers fängt der Feueralarm an. Ich kann natürlich kein Wort auf der Schaltzentrale lesen und fragen kann ich auch niemanden. Also muss mir der Betreiber zu Hilfe eilen, bevor ich mein Gehör verlier‘ bei dem Lärm. Auch dieser ist sichtlich überrascht, nachdem er bemerkt, dass es für den Alarm keinerlei Grund gibt. Er wünscht mir trotzdem einen netten Abend und dass ich mir mein Essen schmecken lassen soll. Gesagt, getan. Auf den Stress gibt’s jetzt nur mehr eines. Und zwar schlafen gehen, bevor noch was passiert. Bis morgen.

Tagesübersicht:

Weg: La ferraz – Assieu – Clonas-sur-Vareze – Chavanay

Strecke: 21,3 km

Schritte: 29.850

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: