Mein Jakobsweg Tag #28

Nach einer stürmischen und kühlen Nacht und mit einer Wetterprognose, die für heute das perfekte Wanderwetter ansagt, fällt das Aufstehen richtig leicht. Am Frühstückstisch sitze ich mit den zwei Gastgebern und zwei weiteren Pilgern und man unterhält sich natürlich in französisch. Da kann ich mich ganz aufs Essen konzentrieren. Ein paar Brocken der Sprache versteh ich mittlerweile, da man sowieso jeden Tag die selben Fragen beantwortet, also kann ich mich sogar ein wenig am Gespräch beteiligen. Das Essen war wie jeden Tag bis jetzt sehr ausgiebig, eben eine solide Grundlage fürs Wandern. Die zwei Schweizer sind bereits abmarschbereit und machen sich direkt auf den Weg. Ich hingegen geh alles etwas entspannter an und widme mich noch meiner morgendlichen Routine. Nach einer herzlichen Verabschiedung mache auch ich mich auf den Weg. Nur das Wetter spielt mal wieder nicht mit. Die kühlen Temperaturen stimmen zwar, aber bei 15 Grad und Regen ist die Motivation doch weniger groß. Also Regenjacke überstreifen, Hut ins Gesicht ziehen, Musik auf Anschlag und immer ein Schritt nach dem anderen. Trotz des bescheidenen Wetters und der noch tiefsitzenden Erschöpfung der Vortage fällt ein Kilometer nach dem anderen. Nach nicht mal einer Stunde hab ich die zwei Schweizer und genauso schnell verschwinden sie hinter mir am Horizont. Keine Ahnung, was in dem Tee heute morgen drin war, aber Energie habe ich scheinbar endlos. Gerade um einige Fotos zu machen, werde ich einen Moment langsamer.

Nach knapp 3 Stunden hab ich bereits 15 Kilometer hinter mir und spüre noch keine Anzeichen von Müdigkeit. Ich laufe durch eine Stadt nach der anderen, von Menschen aber keine Spur. Eigentlich auch verständlich bei diesem Wetter. Durch das kalte Wetter und den zusätzlichen Wind wirkt die Natur auf der heutigen Etappe einfach nur trostlos. Lediglich um die Mittagszeit ergibt sich ein kleines Zeitfenster in dem der Regen aufhört und der Wind auch für eine kurze Pause erträglich ist. Also schnell ein nettes Plätzchen suchen und eine kleine Stärkung einnehmen.

Doch länger als zehn Minuten Pause sind mir heute wohl nicht vergönnt, denn schon fängt dieser lästige Nieselregen wieder an. Was soll’s. Zumindest mit etwas im Magen geht’s weiter Richtung meines Chambres d’hotes in La ferraz. Um zirka 14. 00 Uhr komme ich auf dem Hof der Unterkunft an. Eine Idylle schlechthin. Trauerweiden rund um das Haus, Riesen-Garten mit Obstbäumen und diversen Sträuchern und keine Nachbarn. Einfach schön. Noch dazu spricht der Gastgeber perfektes Englisch. Ich bekomme ein Zimmer mit eigenem Badezimmer und einem dermaßen angenehmen Bett, das ich gleich für ein Nachmittagsschläfchen nutzen kann. Was will man mehr? Nur noch das Abendessen und schon ist alles in Butter. Ein ziemlich ereignisloser Tag heute, aber mal sehen, was morgen auf mich zukommt.

Tagesübersicht:

Weg: Faramans – Revel-Tourdan – Bellgarde-Poussieu – La ferraz

Strecke: 27,9 km

Schritte: 39.070

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