Mein Jakobsweg Tag #27

Endlich ist die Hitze vorbei! Das Gewitter, welches die ganze Nacht mit Blitz und Donner über uns wütet, bringt endlich die heißersehnte Abkühlung. Ausgeschlafen, aber doch ein wenig angeschlagen, sitzen Eleni und ich beim Frühstück. Die alte Gastgeberin erzählt uns nebenbei einiges über die zahlreichen Pilger, die im Laufe der Zeit bereits hier durchgekommen sind und legt uns für unsere Weiterreise besonders ans Herz, der örtlichen Kirche einen Besuch abzustatten. Gesagt, getan. Aber vorher nutzen wir noch die Zeit, um mit den zwei Haushunden im Garten zu spielen. Nicht nur die Hunde sondern auch die nette alte Dame scheint sich über unsere Gesellschaft sehr zu freuen. Doch irgendwann müssen wir uns verabschieden und auf geht’s zur Kirche.

Von außen zwar sehr schön anzusehen, aber das Innere bleibt uns durch die verschlossenen Tore leider verwährt. Kann man nichts machen. Wir suchen nach dem nächsten Wegweiser und weiter geht’s.

Der Weg raus aus dem Dorf führt uns, wie gewohnt an Feldern entlang, doch zur Abwechslung sehen wir einige alte Schlösser und Villen. Da ist man schon ein wenig beeindruckt, wenn man sich die restlichen Gebäude des Dorfes ansieht. Wer da wohl wohnt? Egal. Wir versuchen die Zeit, die wir morgens vertrödelt haben, ein wenig gut zu machen, doch der Muskelkater vom Vorabend und die Blasen an den Füßen stellen sich da als größere Hindernisse heraus. Trotz der Pause und der behelfsmäßigen Verarztung der Füße wird, besonders für Eleni, der Weg in die Stadt La Cote Saint Andre, zu einer fast unmögliche Aufgabe. Die wunderschöne alte Stadt bleibt mir leider nach dem heutigen Tag eher schlecht in Erinnerung.

Nach einer ausgiebigen Pause, einigen Telefonaten und einem längeren Gespräch zwischen uns beiden, steht die Entscheidung fest, Eleni muss aufgeben und nach Hause fahren. Das kommt für uns beide natürlich unverhofft und sehr plötzlich. Wir verabschieden uns, noch eine Umarmung, sie steigt ins Taxi und ich steh wieder alleine da. Ein sehr emotionaler Moment. Trotzdem muss ich weiter, also einfach umdrehen und losgehen. Die nächsten zwei Stunden bis zum heutigen Etappenziel laufen wie ein Film vor meinen Augen ab. Mit Musik in den Ohren laufe ich bis zur nächsten Gite d’Etape. Doch was wäre so ein mieser Tag, wenn nicht noch was Schlechtes passieren würde. Denn auch diese Unterkunft gibt’s scheinbar nicht mehr. Langsam krieg ich das Gefühl, dass mich hier irgendwer kleinkriegen möchte. Ich schnapp mir den Reiseführer, den mir Eleni netterweise überlassen hat, und suche nach der nächstmöglichen Unterkunft. Zu meinem Glück gibt es diesmal eine andere in unmittelbarer Nähe. Also nichts wie hin! Erschöpft, aber doch selbstbewusst, marschiere ich mit meinem Google Übersetzer bewaffnet in den Hof des Gebäudes und treffe dort auf den Hofherrn. Ich tippe eifrig auf meinem Handy und frage, ob denn ein Bett für mich frei ist. Er lacht. Das werte ich mal als gutes Zeichen. Er ruft nach seiner Frau, die mich sofort mitnimmt und auf ein Zimmer im Nebengebäude führt. Ich versuche mittels Handy noch in Erfahrung zu bringen, ob ich ein Frühstück bekomme und was mich das denn alles kosten würde. Zu meinem Glück ist die Dame sehr geduldig, erklärt mir alles einige Male so, dass ich es auch irgendwann begreife und sogar der Preis ist besser als ich mir erhoffen konnte. Die letzten Tage waren für mich sowohl körperlich und vorallem mental die ultimative Belastungsprobe. Ich wäre dann wieder bereit für einen guten Tag. Bitte, Dankeschön. Hilft nur abwarten und morgen schau ich weiter. Bis dann.

Tagesübersicht:

Weg: La frette – Gillonay – La Cote Saint Andre – Faramans

Strecke: 21,3 km

Schritte: 29.920

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