Mein Jakobsweg Tag #26

Heute bleibt mir aufgrund des verspäteten Frühstücks zwar Zeit, um ein wenig länger zu schlafen, aber die Befürchtung für den heutigen Tag ist dafür berechtigt. Heute soll’s nochmal so richtig heiß werden. Vor 8.30 Uhr schaffen wir es nicht aus der Unterkunft, da das Frühstück, das wir gerne eine Stunde früher gehabt hätten, dermaßen üppig ist, dass der Zeitplan für heute dadurch schon jetzt ins Wanken gerät. Die Nacht war toll, das Frühstück auch, da bleibt auch noch ein Moment Zeit, um sich von Alain und Florentine zu verabschieden. Also ein wenig verpeilt nach den Strapazen des Vortages machen wir uns auf den Weg. Über Felder und kleine Waldwege geht’s, mit der aufgehenden Sonne im Rücken, erstmal in das nächste kleine Dorf. Die erste nette Begrüßung wartet dort schon auf uns.

Nach kurzen Streicheleinheiten müssen wir sie leider zurücklassen, weil wir das Schloss an der Kette nicht aufbekommen haben. Spaß beiseite, die Anstrengung des Weges wollen wir keinem anderen aufzwingen. So wie es im Reiseführer steht, folgt gleich darauf der erste Anstieg. Der Schweiß beginnt jetzt schon zu laufen, obwohl die Sonne noch nicht mal hoch am Himmel steht. Die Belohnung für den Anstieg kann sich dafür echt sehen lassen.

Also geht es noch ein wenig weiter und da wir beide von den Strapazen des Vortages ein wenig angeschlagen sind, folgt auch kurz darauf die erste Pause. Wir flüchten uns in den Schatten eines großen Baumes und setzen uns per Email mit dem Besitzer der heutigen Unterkunft in Verbindung. Da der Zeitplan nicht allzu viel Verzögerung zulässt, geht’s nach einem Apfel auch gleich weiter. Die kühlen Temperaturen des Morgens haben sich verflogen und die Sonne steht bereits direkt über uns am Himmel. Ein Anstieg folgt auf den Nächsten, Hügel für Hügel. Nach zirka der Hälfte des Weges wird die Hitze unerträglich und zwingt uns die zweite Pause des heutigen Tages am Straßenrand unter Bäumen auszusitzen und auf Abkühlung zu hoffen. Da machen sich auch schon die ersten Zweifel über unser heutiges Tagesziel breit. Mit Musik versuchen wir die nötige Motivation für den Rest der Strecke zusammenzukratzen. Mit gerade genug Energie geht’s weiter und schon sind wir im nächsten Dorf, Le Pin. Umkehren oder Stehen bleiben sind jetzt keine Option mehr. Immer weiter lautet die Devise. Also Beine in die Hand nehmen und Abmarsch. Doch jetzt wird es interessant. Der Weg wird immer schwieriger, weil die Beschilderung immer schlechter wird oder besser gesagt an einigen Stellen nicht vorhanden ist. Nach dem Weg fragen geht eher auch nicht, so mitten im nirgendwo.

Tja also einfach immer weiter. Da wartet am Wegesrand auch schon die zweite freundliche Begrüßung auf uns.

Auch da gibt’s wieder Streicheleinheiten und eine kurze Fotosession, aber dann müssen wir echt weiter. Mit letzter Energie schaffen wir es zirka 10 Minuten vor Ladenschluss des örtlichen Supermarktes vor dessen Eingangstür aufzuschlagen. In Windeseile das heute mehr als verdiente Abendessen einkaufen und jetzt nur mehr ab in die Unterkunft. Aber wo ist die denn? Nach verzweifelter Suche und einem unbeantworteten Anruf entschließen wir uns, nach dem Weg zu fragen. Der überaus hilfsbereite Herr bringt in Erfahrung, dass die Herberge, die im Reiseführer steht, welcher dieses Jahr herausgegeben wurde, einfach nicht mehr existiert. *Vorsicht Sarkasmus* Hey toll, das hört man nach 30 gelaufenen Kilometern ja echt gerne. Zum Glück ist es auch nicht die einzige Herberge die es hier gegeben hat. Was jetzt? Reiseführer zu Hand nehmen und die nächste Herberge suchen. Da ist ja eine. Zwei Ortschaften weiter, 5 Kilometer entfernt. Zu Fuß? Unmöglich. Bus? Nicht existent. Also, Auto stoppen. Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass jemand zwei verschwitzte Pilger mit riesen Rucksäcken vom Straßenrand aufliest? In Frankreich scheinbar sehr hoch. Das zweite Auto bleibt stehen. Ein junger Franzose hält in seinem kleinen Citroen und nimmt uns mit. Das Auto, mit drei Leuten, zwei Rucksäcken und noch einigen anderen Sachen gefüllt, platzt aus allen Nähten. Aber es fährt. Es fährt uns direkt bis vor die Eingangstür des Hotels in La Frette. Die nette alte Gastgeberin, die von unserem späten Anruf ein wenig überrascht ist, wartet bereits in der Tür, um uns zu begrüßen. Heute gibt’s sogar den Luxus, das jeder von uns ein Einzelzimmer hat und das zum selben Preis, den die andere Unterkunft uns auch gekostet hätte. Man braucht scheinbar einiges an Glück auf so einem Pilgerweg. Jetzt heißt’s für mich nur mehr ab ins Bett, denn nach so einem Tag bin ich schon gespannt auf morgen. Bis dann.

Tagesübersicht:

Weg: Les Abrets – Valcogne – Le Pin – Le grand lemps – La frette

Strecke: 30,4 km

Schritte: 42.910

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