Mein Jakobsweg Tag #25

Mein heutiger Tag beginnt, ich will jetzt sagen mitten in der Nacht, aber 5.30 Uhr ist schon sehr früh. Chantal hat uns schon das Frühstück bereitet. Sie meinte am Vorabend, dass wir so früh wie möglich starten, da heute ein furchtbar heißer Tag werden wird. Klang zu dem Zeitpunkt auch plausibel. Eleni hat sich, nachdem ihr ursprünglicher Plan war, heute Richtung Heimat abzureisen, spontan umentschieden und wird mich jetzt bis nach Le Puy en Velay, also zirka die nächsten 10 Tage begleiten. Endlich nicht mehr alleine unterwegs. Wir kommen am Morgen super voran, was natürlich von Vorteil ist, wenn man bedenkt, dass es wieder 38 Grad heiß werden soll. Um die nächsten Tage auch organisatorisch unter einen Hut zu bringen, ist unser erster Halt das Postamt in St. Genix de Haut.

Da wir beide ungebrauchte Dinge bzw Ballast aus unseren Rucksäcken loswerden wollen, ist das die beste Gelegenheit. Und wieder kann sich jemand zu Hause über ein Paket freuen. Da zumindest einer von uns beiden französisch spricht, kleiner Tipp ich bin’s definitiv nicht, ist die Kommunikation mit den Postangestellten zumindest irgendwie möglich. Ob die Pakete auch ankommen, sei dahingestellt. Was soll’s. Weiter geht’s über Stock und Stein, Richtung Romangieu, wo wir durch, das erste Mal seit ich in Frankreich bin, wirklich schlechte Beschilderung gleich mal die falsche Abzweigung nehmen. Nach zirka 10 Minuten finden wir weit und breit keine Muschel mehr. Sehr beunruhigend. Wir stoppen ein vorbeifahrendes Auto, um nach dem Weg zu fragen. Der nette Herr meint, dass wir hier komplett falsch sind und erklärt sich bereit, uns zurück auf den richtigen Weg zu fahren. Sehr hilfsbereit, merci. Wieder zurück am Weg laufen wir noch bis in die Mittagsstunden hinein, bis die Hitze kaum noch auszuhalten ist. Da bietet sich ein alter, überdachter Waschplatz an einem kleine Teich bzw Bach doch als perfektes Plätzchen für eine Pause an.

In dem Teich spielt sich einiges ab eine Haufen Frösche und Kaulquappen tummeln sich darin und machen die Idylle erst komplett. Wir nutzen die Zeit, uns ein wenig mit Radieschen und Paradeisern zu stärken und die heutige Route nochmals zu studieren. Da es bis spät abends kaum abkühlen wird, machen wir uns wieder auf den Weg. Verschwitzt, ausgelaugt und vom heutigen Tag einfach nur gepeinigt, kommen wir endlich in Les Abrets an. Da wird das Einkaufen in einem klimatisierten Supermarkt zu einem ganz besonderen Erlebnis. Wir verbringen gefühlt eine Stunde darin, irren umher, komplett überfordert von der Angebotsvielfalt, die man auf dem Jakobsweg selten irgendwo findet, wenn man überhaupt eine Einkaufsgelegenheit hat. Abgekühlt, mit Essen für zwei Tage und Bier bewaffnet, geht’s jetzt ab zur Unterkunft. Im Reiseführer steht „ein wenig außerhalb von Les Abrets, aber gut ausgeschildert“. Ohne auch nur eine Schild gesehen zu haben, versuchen wir es mit der nächstbesten Straße, zumindest in die Richtung der Ortschaft, wo sich unser heutiges Quartier befinden sollte. Die Schilder sehen übrigens so aus.

Wie das Schicksal so will, hält ein Auto direkt neben uns an und der ältere Herr fragt, ob wir Pilger sind und stellt sich mit dem Namen „Alain“ vor. Schnell ist klar – Alain und seine Frau sind unsere heutigen Gastgeber. Wie hoch stehen die Chancen, dass er genau in diesem Moment die Straße entlang fährt, wo wir ziemlich planlos sind?!? Genial! Er bietet uns natürlich sofort an, uns mitzunehmen, wo wir nach gut 27 gelaufenen Kilometern schwer nein sagen können. Nach weiteren 4 Kilometern Fahrt kommen wir beim Chambre d’hotes Chevaux, einem kleinen Paradies, an. Alain spendiert uns sofort ein Bier, was das Ankommen natürlich um einiges erleichtert. Alain und seine Frau Florentine betreiben die Unterkunft auf eigenen Aufwand und die Erlöse kommen zu 100% einem Schulprojekt in Madagaskar, woher unsere Gasgeberin stammt, zugute. Frisch geduscht, aber dennoch abgekämpft, sitze ich mit Eleni abends noch am Tisch und wir lassen uns unser hart verdientes Abendessen schmecken. Viel mehr wird mir heut nicht mehr passieren – außer der Fall ins Bett. Also bis morgen.

Tagesübersicht:

Weg: St Maurice de Rotherens – St Genix de Haut – Romangieu – Les Abrets

Strecke: 27,5 km

Schritte: 38.810

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