Mein Jakobsweg Tag #24

Heute hab ich 28 Kilometer und insgesamt zirka 900 Höhenmeter vor mir. Bei 38 Grad. Toll. Na, dann mal los. Das Frühstück hat mir die Gastgeberin der Gite d’Etape Le moulin schon am Vorabend hergerichtet, um mir in der Früh die Möglichkeit zu gebe, noch vor der großen Hitze aufzubrechen. Alles verpackt geht’s auch schon los, zurück ins Tal erstmal an der Rhone entlang in die nächste Stadt, Yenne. Da es noch sehr früh ist, als ich dort ankomme, sind kaum Leute unterwegs und so gut wie keine Geschäfte geöffnet. Eigentlich brauch ich auch nix. Also geht’s weiter und zwar bergauf. Immer nur bergauf. Stundenlang. Nach zirka einer Stunde Anstieg geht es zwar in den Wald, wo ich der Sonne entfliehen kann, aber bergauf geht es trotzdem. Der Schweiß rinnt, die Oberschenkel brennen und der Weg scheint nicht zu enden. Ohne Übertreibung ist heut die anstrengendste Etappe der ganzen Reise. Bis jetzt. Die ganze Anstrengung lohnt sich erst, als ich einen kurzen Moment aus dem Wald komme und sich mir ein wunderschönes Panorama, mit Blick auf die türkisblaue Rhone, darbietet.

Kurze Verschnaufpause, Ausblick einen Moment genießen und schon geht’s weiter. Durch den hohen Flüssigkeitsverlust wird auch der Wasservorrat wieder zu einem Problem. Bis ich zirka auf Hälfte der Strecke, mitten im Wald, auf eine kleine Jagdhütte treffe, die mit Eau potable – also, meines Sprachverständnisses nach, mit Trinkwasser wirbt. Großartig, ein Problem weniger. Nach kurzer Abkühlung im Waschbecken der Hütte genehmige ich mir noch eine kleine Stärkung und raste meine heute schwer beanspruchten Oberschenkel ein wenig aus. Aber durch Herumsitzen schaff‘ ich es natürlich auch nicht in mein heutiges Quartier. Darum ist auch dieser Moment der Erholung wieder vorbei.

Endlich! Nach vier Stunden Aufstieg erreiche ich den höchsten Punkt der heutigen Strecke. Ab jetzt nur mehr bergab. Von der Erleichterung getragen, vergeht die letzte Wegstunde wie im Fluge und die Herberge rückt immer näher. Auch die heutige Gastgeberin begrüßt mich herzlich und um die Sprachbarriere zu überbrücken, kommt kurzerhand der Google Übersetzer zum Einsatz. Auf meinem Zimmer lerne ich Eleni kennen, eine junge Schweizerin, die eine Stunde vor mir eingetroffen ist und zu meinem Glück perfektes Deutsch spricht. Was für eine angenehme Abwechslung. Da wir zwei heute die einzigen Gäste sind, sitzen wir zusammen beim Abendessen und unterhalten uns vorzüglich. Die Gastgeberin bietet uns an, uns noch das Panorama von St. Maurice de Rotherens zu zeigen und fährt uns kurzerhand mit ihrem Auto – mit einem Fahrstil, der jedem Rallyfahrer zur Ehre gereichen würde, durch die engen Gässchen und Kurven – direkt dorthin.

Unglaublich! Nachdem wir geschätzt 50 Fotos gemacht haben, uns die Dame noch die Namen jedes umliegenden kleinen Dörfchens verraten hat, machen wir uns auf den Rückweg. Was für ein Tag. Morgen wird’s nochmal heiß. Das heißt für mich, früh schlafen und früh losgehen. Also bis Morgen.

Tagesübersicht:

Weg: Lucey – Jongieux – Yenne – St. Maurice de Rotherens

Strecke: 28,4 km (900 Höhenmeter)

Schritte: 39.710

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: