Mein Jakobsweg Tag #23

Auf das ausgezeichnete Abendessen folgt, nach einer mehr als erholsamen Nacht, ein genauso gutes Frühstück. Im Speisesaal, der im Normalfall gut 80 Leute beherbergen kann, ist genau ein einziger Platz gedeckt. Für mich. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie erfüllt mich das mit Freude. Dazu kommt noch ein Ausblick, direkt durch die Fensterfront, runter ins Tal und auf die Stadt Seyssel. Da auch vom Frühstück mehr als genug da ist, darf ich mir sogar ein Baguette als Wegzehrung einpacken. „Au revoir, merci beaucoup“ und ich bin wieder unterwegs. Über steile Schotterwege geht’s hinab ins Tal, in die an der Rhone liegende Stadt Seyssel. Es ist zwar ein kleiner Umweg, was den Weg betrifft aber um auf den ursprünglichen Weg zurück zu kommen, müsste ich für einige Zeit wieder den Berg hinauf. Also lieber doch bergab. Und es lohnt sich – die kleine verschlafene Stadt und die Rhone, welche meiner Meinung nach sehr der Donau ähnelt, strahlen in der Morgensonne.

Aber auch die Stadt verschwindet schnell hinter mir am Horizont. Der Großteil der Strecke führt mich heute entlang der Rhone durch verschiedenstes Terrain, einerseits nett angelegte Wege für die naheliegenden Campingplätze, andererseits durch Überschwemmungsgebiete, wo ich mich teilweise durch knöcheltiefen Sand kämpfen muss. Aber eines ist heute mein stetiger Begleitet, die Sonne. In den Mittagsstunden, bei 38 Grad, bin ich auf der Suche nach etwas Essbarem und ein wenig Schatten. Erst nach gut 20 Kilometern finde ich die Erlösung in Chanaz. Ein kleines Café mit großen Sonnenschirmen, Snacks und dazu noch einer englischsprachigen Kellnerin. Ein Traum. Aufgrund der Hitze spendiert das Café jedem Neuankömmling einen Liter kaltes Wasser, was so ziemlich das Beste ist, was mir in dem Moment passieren kann. Dazu kommt noch die nette Gesellschaft, mit der ich mir eine Pizza teile.

Ok, der Haushund war jetzt nicht unbedingt an mir interessiert, vielmehr galt seine Aufmerksamkeit den Schinkenwürfeln auf meiner Pizza, aber immerhin. Ein Zitronensorbet und einen kurzen Powernap auf einer schattigen Parkbank später, geht’s für mich auch schon weiter Richtung der heutigen Gite d’Etape in Lucey. Die letzten 6 Kilometer führen über einen Hügel, wer hätt sich’s nicht denken können, wo mich nicht nur die Sonne von oben durch brät sondern auch die Steine unter meinen Füßen sich ein wenig so anfühlen, wie das Laufen auf glühenden Kohlen. Fast durchgehend hab ich den Wasserschlauch meines Rucksacks im Mund, mit dem verzweifelten Versuch, mich irgendwie abzukühlen. Warmes Wasser hilft da eher nicht. Tja, auch diese Bergetappe hat irgendwann ein Ende und es geht zum Glück auch bergab, durch einen „Wilden Weingarten“, wo ohne Pestizide oder jegliche andere Hilfsstoffe dem Wein die Möglichkeit gegeben wird, zu wachsen, wie er will. Steht zumindest auf dem Schild, das am Wegesrand zu lesen ist. Aber die umliegende Naturkulisse kann sich definitiv sehen lassen.

Nur wenige Minuten später komme ich auch schon an der heutigen Unterkunft an. Ein kleines Atelier eines Künstlers, welches mit jeder Menge selbst gemalter Bilder geschmückt ist und durch diverse Polstermöbel zum Wohlfühlen einlädt. Direkt neben meinem Fenster fließt ein kleiner Bach, den ich im Hintergrund rauschen hören kann und der mir zumindest heute Nacht angenehm kühle Luft spendet. Dann bis morgen.

Tagesübersicht:

Weg: Seyssel – Motz – Chanaz – Lucey

Strecke: 28,5 km

Schritte: 39.950

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