Mein Jakobsweg Tag #22

Heute nehme ich mir mal wieder die Zeit, um richtig auszuschlafen. Ohne Stress mache ich Frühstück mit allem, was dazugehört. Nebenbei geh ich nochmal die Route auf meinem Handy durch und sehe aus der Tür hinaus den Vögeln beim Fangen-Spielen zu. Mit frisch gewaschenem Outfit, vollem Wassertank und jeder Menge Energie geht es sich sicher viel leichter. Ich verabschiede mich von Claire, da sie heute nachhause fährt und wir uns vermutlich nicht mehr begegnen werden. Schade eigentlich. Es dauert einige Minuten bis ich wieder auf meinen Weg finde, da die Herberge ein wenig abseits gelegen ist, aber Saint Jacque de Compostelle ist hier so gut ausgeschildert, dass man den Weg eigentlich kaum verfehlen kann. Die Wege durch das Rhone Alpe Gebiet führen schon, wie die Tage zuvor, hauptsächlich durch hügelige Landschaften. Das heißt für mich, ordentlich Höhenmeter sammeln.

Da die heutige Etappe aber sehr kurz bemessen ist, nehm ich die Anstrengung natürlich in Kauf. An den kleinen Städten, durch die ich komme, merkt man, dass die Zeit nicht spurlos an ihnen vorrübergegangen ist. Ich sehe viele alte, teils baufällige Häuser, die bestimmt mehrere hundert Jahre alt, aber dennoch von Leuten bewohnt sind.

Man lebt hier sehr bescheiden. Aber alle Leute, denen ich begegne, sind überaus freundlich und wünschen mir eine gute Reise. Unter strahlend blauem Himmel bahne ich mir meinen Weg über kaum begangene Waldwege. Um der Mittagshitze ein wenig zu entgehen, erhöhe ich mein Tempo, um vor der großen Hitze schon in der Unterkunft anzukommen. Da hab ich mich wohl ein wenig verkalkukiert. Um zirka halb 2 Uhr nachmittags komme ich, nachdem ich in brütender Hitze einige Kilometer gelaufen bin, tatsächlich an meiner Unterkunft an. Obwohl die Herberge normalerweise erst um 16.00 Uhr öffnet, erwartet die Gastwirtin mich bereits und fängt mich direkt vor der Türe ab. Netterweise versucht sie. mir alles so gut wie möglich auf Englisch zu erklären und bei den Sachen, die ihr nicht einfallen, versuche ich, mit meinen Französischkenntnissen auszuhelfen. Interessantes Gespräch. Nicht sehr informativ, aber interessant. Am Ende hat sich doch alles geklärt und ich genehmige mir eine kalte Dusche und ein kleines Schläfchen, während ich auf das Abendessen warte. Ich geh um Punkt 19.00 Uhr in den Speisesaal und bemerke, dass ich scheinbar heute der einzige Gast bin. Sofort, nachdem ich mich hinsetze, kommt die Dame auch schon mit dem ersten Gang aus der Küche, so wie üblich, eine Riesenportion Salat. Höflich wie ich bin, verputze ich diesen natürlich, obwohl der wohl auch für 3 Leute genug gewesen wär. Ohne Zeit für eine kurze Verschnaufpause kommt auch schon Gang Nummer 2. Eine Rindsroulade und Karfiol mit einer Art Käsesauce. Und natürlich wieder mehr, als eine Person essen sollte. Auch diesen Gang meistere ich mit Bravour. Eigentlich schon ziemlich satt, sitze ich dort am Tisch und wie das in Frankreich üblich ist, gibt’s als Dessert noch ein wenig Frommage. Also Käse auch noch. Mit viel Überwindung passt auch noch je eine kleine Scheibe der verschiedenen Käsesorten in meinen Magen. Bis oben hin voll, eigentlich pappsatt und bereit, ins Bett zu gehen, will ich aufstehen, da bringt mir die Dame das wirkliche Dessert, eine Art Milchschaum auf Vanillesauce. Ich denke, sie bermerkt das Entsetzen in meinen Augen, als sie mir den letzten Gang vorsetzt und betont noch „Le Dessert“. Auch das schaff ich gerade noch so. Danach stehe ich auf, bedanke mich für das exzellente Essen und mache mich auf in Richtung meines Bettes. Heute ist der erste Tag, an dem ich mich weniger von der Wanderung als vom Abendessen erholen muss. So voll war ich echt noch nie. Für mich heißt es jetzt ausschlafen, denn morgen wird ein langer heißer Tag, wo ich jedes bisschen Energie brauchen werde. Bis morgen.

Tagesübersicht:

Weg: Chaumont – Frangy – Designy – Seyssel

Strecke: 17,1 km

Schritte: 23.790

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