Mein Jakobsweg Tag #17

Der Tag heute beginnt ziemlich ärgerlich, da die Betreuerin in der Unterkunft, in der ich übernachtet habe, nicht auffindbar ist. Ohne Frühstück, mit wachsendem Hunger, steh ich dort an der Rezeption und möchte für die Nacht bezahlen. Da sie weder meinen Namen noch irgendwelche anderen Daten von mir haben, kommt mir aus lauter Frust der Gedanke, einfach zu verschwinden, aber die Vernunft siegt. Nach gut 30 Minuten kommt eine Dame herein, die zwar für das Hotel zuständig ist, aber ohne ihre Chefin keine Abrechnung machen darf. Tja, ihr Problem, ich drücke ihr das Geld und den Zimmerschlüssel in die Hand und mach mich aus dem Staub. Das nächste Problem folgt gleich darauf, da kein Kaffeehaus im Umkreis von 3 Kilometern geöffnet hat. Damit beginnt eine regelrechte Frühstücksjagd, um meine Laune ein wenig zu heben. Nachdem ich endlich eine Einkaufsmöglichkeit finde und kurzerhand ein paar Laugenstangerl mit Frischkäse erlege, mach ich mich auf den Weg. Dieser führt ziemlich eintönig am Radweg eine Freilandstraße nach der anderen entlang, ohne wirklich etwas Sehenswertes zu offenbaren. Der erste positive Moment des heutigen Tages war ein Radfahrer, der mich mitten im Nirgendwo anspricht und meint: „Mann o Mann, du hascht ja en ordentliches Tempo druf“. Dieser ist mit seiner Frau unterwegs und sie haben mich vor zwei Tagen schon mal am Weg überholt und eine andere Route genommen als ich. Was für ein Zufall, ihnen nochmal zu begegnen. Nach einem kurzen Gespräch und einigen Tipps seinerseits, da er auch schon mal am Jakobsweg unterwegs war, zieht er wieder von dannen. Die Kälte der letzten Tage hat sich komplett verflogen und die Hitze, die sich in den Mittagsstunden aufbaut, macht es mir wieder mal unmöglich, voranzukommen. Deshalb flüchte ich auf eine schattige Parkbank, wo ich die heißen Stunden des Tages aussitze.

Am frühen Nachmittag gehen meine Wasservorräte mal wieder zur Neige und das zwingt mich dazu, weiterzuziehen. Doch auf den nächsten 10 Kilometern ist weit und breit nichts zu finden, was mir aus dieser misslichen Lage helfen kann. Doch im letzten Eck von Sindelsdorf hat ein kleines Café geöffnet, wo ich mir einen Eiskaffee zur Abkühlung gönne. Da fallen einem die letzten Kilometer gleich um einiges leichter. Mit voller Trinkblase und neuer Energie geht’s weiter. Doch die Freude währt nicht lange, da die letzten 5 Kilometer eine anspruchsvolle Bergtour sind, die mich nicht nur wieder durch einen finsteren Wald führen, sondern mich auch meine Kopfhörer kosten. Toll. Komplett abgekämpft, durchgeschwitzt und ohne motivierende Musik komme ich oben an. Wenigstens der Ausblick hat sich mal wieder gelohnt.

Ab da geht’s nur noch ein paar Minuten bergab, stets begleitet vom Läuten der Kuhglocken auf den Weiden und schon steh ich vor meiner heutigen Unterkunft. Zum Glück.

Tagesübersicht:

Weg: Bad Tölz – Bad Heilbrunn – Sindelsdorf – Riegsee

Strecke: 28.6 km

Schritte: 40.040

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