Mein Jakobsweg Tag #15

Dritte Woche, dritte Blase. Wenn auf meiner bisherigen Reise auf irgendwas Verlass war, dann auf den ehrgeizigen Versuch meiner Zehen, schmerzende Blasen zu bekommen. Langsam überkommt mich das Gefühl, dass irgendetwas gezielt gegen mich arbeitet. Heute Morgen starte ich wieder mal bei Eiseskälte, eingepackt wie ein Eskimo, um knappe 2 Stunden später in kurzärmligen Shirt und kurzer Hose in der Sonne wegzuschmelzen. Soll wohl so sein. Wenigstens das Frühstücksbuffet war super. Mit jedem Tag, den ich weiter Richtung Westen marschiere, wird die Umgebung immer bergiger, was meine Knie ganz und gar nicht erfreut. Die Natur und die Panoramen, von denen ich den ganzen Tag umgeben bin, können die Schmerzen zurzeit gerade noch so aufwiegen. Mal wieder führt mich mein Weg über entlegene Waldwege.

Das Handy-Netz ist die meiste Zeit kaum zu gebrauchen, was ich einerseits ganz angenehm finde, da man mal ungestört für sich sein kann, aber andererseits die Navigation um einiges erschwert. Selbst in den Orten sieht man kaum Menschen, aber die wenigen, die doch unterwegs sind, wirken immer sehr interessiert, wenn jemand mit monströsem Rucksack auf dem Rücken durch ihr kleines Nest stapft. Allein heute sprechen mich 5 Leute darauf an und fragen, wohin ich denn unterwegs bin. Auf die Antwort „Spanien“ reagieren die meisten anfangs perplex, aber nach kurzer Erklärung gibt es kaum einen, der noch nie etwas vom Jakobsweg gehört hat. Mit Glückwünschen und einem Lächeln schicken mich die Leute weiter auf meinen Weg. Echt nett. Natur, schönes Wetter und nette Leute. Mehr kann man kaum erwarten. Nach einer langen Wanderung immer den Schildern mit der Muschel nach,

mache ich noch eine kurze Pause, denn für Kaffee und Kuchen muss immer noch Zeit sein. Da sprechen mich erneut zwei Einheimische auf meinen Rucksack an. Um mir die letzten paar Kilometer noch zu verschönern, empfiehlt mir der Herr, doch eine Alternativroute zu meiner heutigen Unterkunft zu wählen. Diese ist zwar 300 Meter länger, dafür aber mit einem wunderschönen Blick auf das Schloss Neubeuern. Tja, was sind schon 300 Meter?

Hat sich voll ausgezahlt, würde ich sagen. Auf dem kleinen Bauernhof werde ich von meiner heutigen Gastgeberin schon erwartet. Jetzt gibt’s für mich nur mehr eine Dusche und ein Bett, mehr kann ich mir gerade auch nicht wünschen.

Tagesübersicht:

Weg: Bernau am Chiemsee – Frasdorf – Rohrdorf – Neubeuern

Strecke: 21.1 km

Schritte: 29.500

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