Mein Jakobsweg Tag #1

Die Aufregung der letzten Tage raubt mir den Schlaf, was nicht unbedingt von Vorteil ist, wenn man um 5.00 Uhr auf muss. Der Rucksack ist gepackt, die Schuhe geschnürt, die Knie geölt. Top. Noch eine letzte Umarmung von meiner Mutter. „Mama, ich geh jetzt“ und dann geht’s auch schon los.Die ersten 20 Minuten geht mir nur durch den Kopf: „Hab ich wirklich alles mit, was ich brauch“, im Wechsel mit: „Eigentlich kann ich gar nichts vergessen haben, so schwer wie mein Rucksack ist.“ Noch ein allerletzter Blick zurück – dann gibt’s nur mehr den Weg nach vorn.Die Musik in den Ohren versetzt mich in einen Zustand der Unbeschwertheit und trägt mich Schritt für Schritt den Weg entlang. So schön es war, morgens bei Sonnenschein loszumaschieren, die Hitze, die sich bis mittags aufbaut, wird immer unerträglicher. Vor allem, wenn der Wasservorrat, trotz 3L Trinkblase, bereits um zirka 11.00 Uhr zu Ende und weit und breit keine Möglichkeit auf Nachschub in Sicht ist. Auf meiner Karte ist eine bewirtschaftete Hütte eingezeichnet, die sich leider als private Jagdhütte entpuppt – ohne Möglichkeit, Wasser nachzufüllen. Zu meinem Glück kommt zufällig gerade der Förster, der Zugang zu dieser Hütte hat, vorbei und rettet mich aus meinem Dilemma. Nach einem netten Gespräch und einer kurzen Pause verabschiede ich mich mit aufgefülltem Wasservorat und ziehe weiter.Am späten Nachmittag, als die Temperaturen es endlich erlauben würden, ordentlich Kilometer zu machen, beginnt es, nein, nicht zu regnen, sondern zu schütten, wie man es beim Wandern keinesfalls erleben möchte. So schnell es Wald und Wiese zulassen, versuche ich, mich querfeldein zur gefestigten Strasse in Richtung einer Imbisshütte, die auf meinem Plan eingezeichnet ist, durchzuschlagen und hoffe bei jedem Schritt, dass sie geöffnet hat. Ich sehe von weitem, dass Licht brennt, das macht Mut. Noch ein paar Kurven. Geschafft! Wie herrlich schmeckt diese Leberkässemmel. Mit dem Besitzer komme ich schnell ins Gespräch und ihm gefällt mein Plan so gut, dass er beschließt, mich zu unterstützen und mir spontan einen Schlafplatz angebietet. Ich bin unglaublich dankbar, denn heute noch weitergehen zu müssen, wäre sehr schwierig geworden. Was möchte man noch alles erleben am ersten Tag einer solchen Reise? Jetzt mal gut schlafen, dann bin ich bereit für morgen und gespannt, was mich erwartet.

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