Berg #1 – Schneekoppe, Tschechien

Wir schreiben Mittwoch, den 21. November 2018, und mein Tag beginnt ungewöhnlich früh. Um 4.30 Uhr läutet der Wecker und ich als potenzieller Langschläfer bin darüber natürlich alles andere als glücklich. Doch heute nehme ich diese Strapazen ausnahmsweise gerne in Kauf, weil ein Abenteuer bevorsteht. Das Zeitfenster, welches ich mir für meine morgendlichen Rituale plus dem Verladen der Ausrüstung gesetzt habe, war ohnehin sehr eng bemessen. Tja was solls. Um Punkt 5.00 Uhr, wie ausgemacht, steht meine Reisebegleitung, Max, vor der Tür. Er sieht kein bisschen ausgeschlafener aus als ich (..zum Glück), aber wirkt doch sehr motiviert.
Nach 10 Minuten ist alles im Auto verladen und wir steuern auf unser heutiges Ziel zu, die Schneekoppe.
Die Fahrt in Österreich geht zügig voran, doch einen Großteil der Strecke in Tschechien führt uns das Navi über Landstraßen und durch kleinere Dörfer, welche, obwohl sie ganz nett anzusehen sind, sehr ermüdend zu durchfahren sind.
Nach einem kleinen Zwischenstopp, um unsere Verpflegung für den Tag zu besorgen, kommen wir nach ungefähr 5 Stunden Fahrtzeit am Startort unserer Wanderung (Pec pod snezkou, für mich unmöglich auszusprechen) an.
So, Auto ist eingeparkt, Stiefel mit Spikes ausgerüstet, da doch mehr Schnee liegt als erwartet, Edgar ist an meinem Rucksack festgeschnallt und los gehts. Geh mas an! Der Weg beginnt an der Talstation der dort befindlichen Bergbahn und verläuft die ersten 20 min noch auf einer befestigten Straße. Danach geht es ab in den Wald und man sieht die ersten Hinweisschilder, dass man als ungeübter Wanderer diesen Weg eher nicht wählen sollte. Tja, wir haben diesen Warnhinweis, ob wir uns das wirklich antun wollen, zur Kenntnis genommen und folgen dem Weg in den verschneiten Wald. Auf gut erkennbaren Trampelpfaden kämpfen wir uns im Zick zack Meter für Meter den Hang hinauf.
Die erste Anstrengung ist überwunden, als wir aus dem doch sehr düstern Wald heraus auf eine Lichtung kommen und das anfangs doch sehr bescheidene Wetter umschlägt und uns genau im richtigen Zeitpunkt mit wärmenden Sonnenstrahlen und damit der nötigen Motivation für die weiter Tour versorgt.

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Der weitere Weg führt durch eine traumhaft verschneite Berglandschaft, in der nur vereinzelt Tannenbäume stehen, und bietet uns einen wunderschönen Ausblick ins Tal und auf umliegende Gebirge. Nach ungefähr 2 Stunden gelangen wir an eine Almhütte, wo wir uns entschließen, ein kleines Päuschen einzulegen, um uns etwas zu stärken.
Schnell zwei Knabbernossis und einen Kornspitz verputzt und weiter gehts. Mit jedem weiteren Meter, den wir zurücklegen, verändert sich die Natur um uns herum und führt uns durch einen überschaubaren Latschenwald, aus dem nur vereinzelt größere Tannenbäume herausragen. Auch den lassen wir schnell hinter uns und auf den letzen 50-100 Höhenmetern unseres Weges ist keine Pflanze mehr zu sehen. Nicht wegen des dichten Nebels, der uns die Sicht fast zur Gänze nimmt, sondern wegen der Bodenbeschaffenheit, welche nur mehr aus Felsen und einer dicken Schnee- und Eisschicht besteht. Die letzten Meter werden zur Herausforderung, da der starke Wind und die mehr als eisigen Temperaturen (-12°C) uns doch sehr zu schaffen machen. Doch nichts hält uns davon ab, die Reise mit einem „Gipfelsieg“ abzuschließen. Endlich ist es da. Das Gipfelkreuz! Es ist mit einer dicken Eisschicht überzogen und der erhoffte Ausblick bleibt uns leider wegen des dichten Nebel auch verwährt. Jedoch die Schmerzen in den Oberschenkeln und halb erfrorenen Zehenspitzen bezeugen, dass sich unsere heutige Tagesleistung auf jeden Fall sehen lassen kann. Man soll ja positiv denken. Nach eine kurzen Fotosession und einem Schluck „Gipfelwhiskey“ treten wir den Abstieg an und begeben uns wieder zum Auto. Der Tag endet spät abends in einem AirBnb-Apartement in der faszinierenden Hauptstadt Tschechiens, Prag.

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